Konrad Beikircher ist Kabarettist, Autor und Musiker. © Heinz
Der Kabarettist, Musiker und Autor Konrad Beikircher feiert am Montag 80. Geburtstag. Jahrzehntelang hat der gebürtige Südtiroler dem Rest der Republik auf humorvolle, charmante Weise die Besonderheiten des Rheinlands erklärt. Mit den großen Bühnenauftritten soll Ende 2026 Schluss sein.
Was empfinden Sie mit Blick auf den Abschied, Wehmut oder Erleichterung?
Von beidem ein bisschen. Ich bin süchtig nach der Bühne. Es sind nicht nur inhaltliche Motive, die mich antreiben. Klar, ich möchte der Welt den Rheinländer erklären. Aber da ist ehrlicherweise auch der Wunsch, geliebt zu werden. Anderes wiederum hängt mir zum Hals heraus. Aus gesundheitlichen Gründen muss ich inzwischen zu vielen Auftritten mit dem Zug fahren. Darauf kann ich gern verzichten.
Blacky Fuchsberger hat seinerzeit ein Buch geschrieben mit dem Titel „Alt werden ist nichts für Feiglinge“. Ist das wirklich so?
Er hat sicher Recht. Aber er muss wohl auch jemand gewesen sein, der das Glas eher halb leer gesehen hat. Bei mir war das Glas immer halb voll.
Wie äußert sich das?
2014 habe ich eine große Darmoperation gehabt und musste daraufhin monatelang mit einem künstlichen Darmausgang auf der Bühne stehen. Wenn dann seltsame Geräusche zu hören waren, habe ich die Flucht nach vorn angetreten, mein T-Shirt hochgezogen, auf den Beutel gezeigt und gesagt: „Gucken Sie mal, da können Sie auch sehen, was ich gegessen habe.“ In solchen Momenten habe ich gemerkt, dass mein Grundlebensgefühl positiv ist.
Nehmen Sie als Südtiroler noch Anteil an der Politik in Italien?
Was Giorgia Meloni betrifft, schon. Aber von der politischen Entwicklung in Südtirol bin ich zu weit weg. Das ist mir noch einmal schmerzlich bewusst geworden beim 60-jährigen Abiturtreffen im vergangenen Jahr. Wir haben uns am Gymnasium in Bozen getroffen. Als mich ein Mitschüler sah, rief er aus: „Ah, der Deutsche kommt!“ Das hat wehgetan.
Als Rheinländer: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zur katholischen Kirche umschreiben?
Getrübt – seit Kardinal Rainer Maria Woelki in Köln das Sagen hat. Ich bin inzwischen zum zweiten Mal ausgetreten.
Das erste Mal…?
…habe ich diesen Schritt als junger Mann vollzogen, nachdem meine erste Frau sich das Leben genommen hatte. Ich wollte sie auf einem katholischen Friedhof beerdigen. Der Pfarrer hat das verboten, weil sie sich „entleibt“ habe. Das hat mich empört. Ein Ordensmann hat mich später zum Wiedereintritt überredet.
Frage: Lässt sich die katholische Prägung abschütteln?
Antwort: Ich bleibe Christ und dem Katholischen verbunden. Der Versuch, tolerant zu leben – Nächstenliebe ist so ein großes Wort –, ist mir schon wichtig.