Bass-Blues

von Redaktion

McCartney bangt um Firma Höfner

Mit seinem geliebten Instrument: Paul McCartney am Höfner-Bass auf der Bühne. © Sophia Juliane Lydolph / dpa

Man muss dankbar sein für das, was man kriegt. Womöglich sind das Paul McCartneys Gedanken, als er im Sommer 1961 im Steinway-Haus in den Colonnaden 29 zu Hamburg stöbert. Der Bassist der Beatles, Stuart Sutcliffe, hat die Band verlassen und McCartney, der ihn schon zuvor an dem Instrument vertreten hat, muss wohl oder übel von der Gitarre umsatteln. Der Fender-Bass, den er gerne hätte, kostet 100 Pfund. Unerschwinglich. Doch da steht noch ein anderes Exemplar, aus Fichtenholz und mit einem Violin-Korpus. „Da gab es diesen Bass, der ziemlich günstig war“, erinnert sich McCartney später. „Und weil ich Linkshänder bin, sah er für mich weniger bescheuert aus, weil er symmetrisch war.“

Es ist der Beginn einer Liebesbeziehung. Wenige Musiker sind so mit einem Instrument verbunden wie Paul McCartney mit dem „Höfner 500/1“. In der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch musikalisch. Etliche der wichtigsten Songs der Pop-Geschichte fußen auf Bass-Melodien, die „Macca“ auf dem Höfner einspielte. Doch nun droht die Liebesbeziehung ein Ende zu nehmen. Die Firma Höfner aus dem mittelfränkischen Baiersdorf ist in wirtschaftliche Schieflage geraten. Sie meldete Insolvenz an.

McCartney nimmt herzlich Anteil: „Es ist sehr schade, dass Höfner den Betrieb einstellt“, schreibt er auf Instagram. „Sie bauen seit über 100 Jahren Instrumente, und ich liebe den Höfner-Bass, seit ich meinen ersten gekauft habe. Er ist wunderbar: leicht, er lädt zu einem freien Spiel ein. Außerdem bietet er angenehme Klangvariationen, die ich sehr schätze. Mein Beileid an alle bei Höfner und vielen Dank für die jahrelange Unterstützung – Paul.“

Pauls Bass-Blues schlägt Wellen – auch wenn es anscheinend noch nicht ganz so schlimm um Höfner steht, wie er vermutet. „Vielen Dank für deine lieben Worte, Paul!“, antwortet die Firma denn auch auf seinen Post. „Aber wir sind noch nicht besiegt und kämpfen weiter!“ Das Unternehmen teilte mit, dass weder seine Produktion noch der Vertrieb eingestellt seien. In den kommenden drei Monaten muss Höfner einen Plan für die Konsolidierung erarbeiten. Der Traditionsbetrieb soll neu ausgerichtet und durch Investoren langfristig gesichert werden. Vorrangiges Ziel sei es dabei, den Geschäftsbetrieb in den nächsten Wochen zu stabilisieren.

Letztlich könnte Donald Trump schuld an der Misere sein. Denn wie der Bayerische Rundfunk den Insolvenzverwalter Hubert Ampferl aus Nürnberg zitiert, ist das Exportgeschäft bei Höfner deutlich abgeschwächt. Eine Rolle spielten dabei die veränderten Zollbedingungen und die US-Zollpolitik. Generell sei die weltweite Nachfrage an Instrumenten aufgrund der angespannten Wirtschaftslage zurückgegangen. Höfner hat bereits Gespräche mit potenziellen Investoren aufgenommen.

Das wirft natürlich eine Frage auf, die McCartney-Fans auf Instagram auch gleich stellen: „Warum kaufst Du die Firma nicht, Paul?“, schreibt einer unter den Post des 83-Jährigen. Die Antwort steht noch aus.JOHANNES LÖHR

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