Wer vor einem Konzert von Feine Sahne Fischfilet duscht und sich schick macht, ist selber schuld. Denn hier wird gleich wieder geduscht – und zwar mit Bier. Unter dem bewährten Motto „Party, Punk und Pyros“ haben die Fischköppe aus MeckPomm im vollen Zenith Münchens rauschigste Weihnachtsfeier geschmissen. Sänger Jan „Monchi“ Gorkow versprach völlig zu Recht „einen Abend voller Eskalation“. Die Helden aus dem Norden zu Besuch bei ihren Fans im Süden – selten wurde so engagiert eskaliert.
Unter dem Tourmotto „Wir kommen in Frieden“ bestätigten die Filets ihren prächtigen Ruf als ungestüme Live-Abräumer – und als Deutschlands vielleicht volksnaheste Rockstars.
Dass der Sänger der Hauptband höchstpersönlich auf die Bühne kommt und den Fans erklärt, dass ihnen gleich die Vorgruppe mächtig „in den Hintern tritt“ – wo gibt’s das schon? Monchi macht’s einfach. Und ganz ehrlich: Focus aus Riesa haben sich die warmen Worte mit deftigen Krachern wie „Oma wird noch mal Mama“ redlich verdient. Außerdem haben Feine Sahne Fischfilet das laut Monchi „schäbigste Plastikflaschenbier von ganz Mecklenburg-Vorpommern“ nach Bayern eingeschmuggelt und werfen es in rauen Mengen ins Volk.
Guter Service, gute Mucke: FSF starten mit den Überhits „Wir kommen in Frieden“, „Zurück in unserer Stadt“ und „Alles auf Rausch“ – und steigern sich dann zu immer neuen Höhepunkten. Stagediving von Monchi schon beim zweiten Song: kann man machen, zum gepflegten Aufwärmen.
Er ist das Urviech von der Ostsee mit dem Herz am linken Fleck. Als er erzählt, wie er mit 15 von den „Dorffaschos“ zusammengestiefelt wurde, ist es für ein paar Momente ganz still. Punk, Politik und Engagement gegen Rechts gehören hier untrennbar zusammen. Aber im Zenith geht es vor allem um: Partyyyyyy! Abrocken für Deutschland!
Die Bengalos verwandeln die ganze Halle in eine Südkurve. Und auch wenn die Zeiten räudig sind, machen allein schon die Songtitel einiger der letzten Stücke Mut: „Wenn‘s morgen vorbei ist“, „Keine Panik“, „Wir haben immer noch uns“. Erste Sahne, diese Fischfilets.JÖRG HEINRICH