Ikone: Brigitte Bardot (1934-2025). © Mauviniere/dpa
Legende: Klaus Lemke (1940-2022). © Tobias Hase/dpa
„Ich durfte mit ihr angeben, weil sie mir 70 000 Mark beim Poker abgenommen hatte“, sagt Klaus Lemke über den Besuch von Brigitte Bardot in München. © Privat
Was für ein Foto! Der legendäre Regisseur Klaus Lemke (1940-2022), der letzte Cowboy des deutschen Films und der ungekrönte König von Schwabing, zusammen mit Brigitte Bardot, die am Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben ist (wir berichteten). Ein Foto aus einer anderen Zeit: als Filmemachen noch (vor allem) Handwerk war – und eben kein Computerjob. „Wir dachten damals alle, das Leben würde uns aus der Hand fressen. Immer“, sagte Lemke einmal. „Doch dann wurden wir in den Achtzigern selbst zum Futter.“ Das aber ist eine andere Geschichte. Als das Foto Ende der Sechzigerjahre gemacht wurde, startete Lemke gerade durch. Und die Bardot war eine Leinwandgöttin und noch sehr weit entfernt von den rassistischen Äußerungen ihrer letzten Lebensjahre.
Die Geschichte hinter diesem Foto? Da wird es kompliziert, wie bei jedem guten Drehbuch. Lemke selbst hat sie immer wieder in Variationen erzählt. „Lieber wäre ich der Film selbst – als nur der Regisseur meiner Filme“, war schließlich sein Credo. 1967 machte ihn sein erster Langfilm „48 Stunden bis Acapulco“ quasi über Nacht bekannt. Kurz danach arbeitete er in Südfrankreich an seinem zweiten abendfüllenden Werk. In „Negresco“ spielen unter anderen Ira von Fürstenberg und Paul Hubschmid mit. Die Bardot besuchte die Dreharbeiten. Warum? Das bleibt ein Geheimnis der Kinogeschichte.
Sicher ist, dass Lemke die Schauspielerin für sein nächstes Projekt engagieren wollte. Die Bardot wollte das beim Poker klären: Gewönne der Münchner, würde sie die Hauptrolle in seinem nächsten Film übernehmen. Gewönne die Französin, erhielte sie Lemkes Produktionskasse. Was sich dann innerhalb dieser Koordinaten abspielte, muss offen bleiben. Unstrittig ist der Ausgang des Spiels: Lemke verlor – und die Bardot („Sie war eine Spielerin“) reiste mit 70 000 D-Mark mehr in der Tasche ab.
Viele Jahrzehnte später schenkte Lemke dem Autor dieses Textes das Foto – und erzählte: „Ende der Sechzigerjahre waren Monica Vitti, Brigitte Bardot, Jeanne Moreau gemeint, wenn man von Stars redete. Fassbinder zeigte mir ein Foto aus ,Paris Match‘, auf dem die Bardot dieselbe versaute Frisur à la mode hatte wie Hanna Schygulla. Damals hatten wir alle nonstop Drogen. Im nächsten Jahr blieb die Bardot auf dem Flug nach Hamburg eine Nacht in München. Ich durfte mit ihr angeben, weil sie mir 70 000 Mark beim Poker abgenommen hatte. Wir gingen runter in die Kellerdisco, wo alle jede Nacht zu waren. Fassbinder erkannte die Bardot nicht. Dann sind wir gegangen.“ Irgendwann in diesen Stunden ist dieses Bild entstanden, vermutlich am Flughafen in Riem. „Film muss die schrumpelig gewordenen Herzen der Zuschauer wieder mal für ‘ne Stunde glattbügeln – dass sie danach tanzend in ihr Leben zurückgehen“, sagte Lemke. Manchmal genügt dafür ein Foto.MICHAEL SCHLEICHER