UNSERE KURZKRITIKEN

Wiederentdeckung einer Pionierin

von Redaktion

Ellen Richter (1891-1969) zählte zu den großen deutschen Kino-Stars der 1910er- bis frühen 1930er-Jahre. In opulenten Expeditions- und Abenteuerfilmen war sie die emanzipierte Action-Heldin und überzeugte auch als Femme fatale: etwa in der Stummfilm-Adaption von Ludwig Thomas bitterböser Komödie „Moral“ (1928) oder als „Lola Montez, die Tänzerin des Königs“ (1922). Zusammen mit ihrem Ehemann und Regisseur Willi Wolff wirkte Richter ab 1920 auch als Produzentin ihrer eigenen Filme. Hitlers Machtergreifung beendete die Karriere der in Wien geborenen Jüdin abrupt – und unfassbar effektiv. Im Exil, erst in Österreich, dann in Frankreich und den USA, konnte Richter keinen Film mehr realisieren und wurde komplett aus der Filmgeschichte getilgt. Mehr als eine Ehrenrettung ist deshalb das ausgezeichnet recherchierte und wunderschön gestaltete Buch von Philipp Stiasny und Oliver Hanley, das eine umfassende Wiederentdeckung der Filmpionierin erst ermöglicht. MEI

Philipp Stiasny/Oliver Hanley:

„Ellen Richter“. Synema, 320 Seiten; 28 Euro.


★★★★★ Hervorragend

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