Nicht traurig sein, Howie: Nachbarin Alice ist gar nicht ausgezogen. © KI-Foto: Merkur/Jörg Heinrich
In der vierten Hütte wurde es für Sänger Heino und sein Hannerl ungemütlich. © KI-Foto: Merkur/Jörg Heinrich
Schlagerikone Vicky Leandros mit ihrem von der KI generierten Theo 1974 in Lodz – nur die Künstliche Intelligenz weiß, wie es den beiden dort ergangen ist. © KI-Foto: Merkur/Jörg Heinrich
Der deutsche Schlager wirft zahllose Fragen auf: Wie ist es Vicky Leandros und ihrem Theo in Lodz ergangen? Was ist bei Heino in der vierten Hütte passiert? Und ist Howard Carpendales schöne Nachbarin Alice wirklich ausgezogen? Niemand kennt die Antworten – bis heute. Wir haben die Künstliche Intelligenz (KI) mit den Songtexten gefüttert und befragt. Und endlich lösen sich die größten deutschen Schlager-Rätsel.
Vicky Leandros, „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ (1974): Vicky und ihr Galan merken in Lodz schnell, dass im Sozialismus für Eleganz kein Platz ist. Ihr Traum vom Lokal „Zum faulen Murmeltier“ scheitert an fehlenden Devisen fürs Olivenöl. Nach Tagen voller Stempel und Formularen beschließen sie: „Theo, wir fahr’n zurück nach Kukurydzówka! Sofort!“
Henry Valentino, „Im Wagen vor mir“ (1977): Deutscher Herbst. Die Frau im Wagen vor ihm ist nervös, weil ihre Ente das unauffällige Fluchtfahrzeug der RAF-Zelle „Rotfront A3“ ist. Als Henry ohne Licht hinterherrollt, hält sie ihn für einen BKA-Mann. Das „Ratta ratta“ deutet sie als verschlüsseltes Zugriffssignal. Henry wird sein Mädchen doch noch wiedersehen – nach ihrer Ergreifung, in der „Tagesschau“.
Heino, „Blau blüht der Enzian“ (1972): In der vierten Hütte wird’s gerade zärtlich – da fällt der Zug des Holzofens aus, Heino und sein Hannerl stehen im Qualm wie zwei Räuchermännchen. Sie flüchten in die fünfte Hütte, doch da probt der Jodelverein „Gipfelgams 67“ sein neues Stück, den „Zirbenzapfen-Zwicker“. Hannerl rennt weg, Heino seufzt: Gut, dass unten im Tal die schwarze Barbara auf ihn wartet.
Andrea Berg, „Du hast mich tausendmal belogen“ (2001): Der notorische Lügner besichtigt nachts dubiose Grundstücke. Sein „Gefühl, frei zu sein“ bedeutet, nicht in den Knast zu wollen. Dass die Berg mit René Benko (damals 24) liiert war, begreift sie erst später. Die tausend Lügen des PleitenPinocchio waren sein Training fürs Immobiliengeschäft. Diese Liebe war auf Sand gebaut.
Roland Kaiser, „Santa Maria“ (1980): 1990 arbeitet die Schöne im Tourismusbüro „Santa Maria“ in Berlin-Spandau. Als sie Kaiser ihre neunjährige Tochter Guadeloupe vorstellt, bekommt er Panik vor einer späten Vaterschaftsklage. Doch dann fällt Roland ein, dass er gar nicht der Papa sein kann. Denn in jener Nacht hatte ihm bereits eine andere Südsee-Verführerin zugeflüstert: „Manchmal möchte ich schon mit dir…“
Michael Holm, „Mendocino“ (1970): Holm begreift erst Jahrzehnte später dank Google Maps, dass er schlecht zugehört hatte. Das Mädchen meinte „Menda Sino“ – ein Nest zwischen Pueblo Doradito und Santa Esperanza Perdida. Dort hätte er nach ihr suchen müssen. Doch beim Googeln fällt dem Barden endlich ihr Name wieder ein: Renate Zapfhuber. Er findet sie tatsächlich – in Bad Tölz. Manchmal liegt das Glück so nah.
Christian Anders, „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ (1971): Heute weiß man, dass Christian Anders über eine düstere Vision des deutschen Bahnwesens 2025 sang. Dass am Nachbargleis „niemand das Licht von Grün auf Rot stellt“, kennen Fahrgäste der Münchner S-Bahn bis heute. Der Stiefonkel von Thomas Anders verschwindet bald danach von der Bildfläche: Die Bahn hat ihn mit einer lebenslangen Bahncard 100 zum Schweigen gebracht.
Howard Carpendale, „Tür an Tür mit Alice“ (1977): Wenige Wochen nach den bekannten Ereignissen trifft Howard im Flur Alice wieder. Sie ist gar nicht ausgezogen, sondern hatte nur neue Möbel von Ikea bekommen. Der „Möbelwagen“ war ein Aufbau-Service, der kläglich scheiterte. Er baut ihr das Billy-Regal zusammen – und sie zeigt zum ersten Mal mehr als ein Läscheln. Die Nachbarin, damals fesche 35, verrät: „Ich heiße übrigens Alice Schwarzer.“ Seitdem kämpfen sie gemeinsam für Gleischbereschtigung.
Jürgen Drews, „Ein Bett im Kornfeld“ (1977): Die Kleine mit dem Fahrrad ist Leni Sonnenberg, 17, Landwirtstochter. Die Sommerromanze endet abrupt, als er im Kornfeld heftig niest – Getreideallergie! Kaum liegen sie wieder, rollt Lenis Vater mit dem Mähdrescher heran. Er hat es auf Jürgen abgesehen, doch beide retten sich hinter die Böschung. Später treffen sie sich wieder: im Allergiezentrum, wo sie ihm ein Heuschnupfenspray schenkt.
Peter Alexander, „Die kleine Kneipe“ (1976): Das Wiener Beisl wird Ende der 90er abgerissen. René Benko plant hier den glitzernden „Donau Tower“. Doch der Bau bleibt im Rohzustand stehen – die 1001. Lüge! Investoren weg, Betonmischer streiken, der Wind pfeift durch halbfertige Luxuslofts. Nur der alte Glücksspielautomat steht noch trotzig vor der Baugrube. Benko wirft sein letztes Geld rein, hofft auf ein Wunder – und verliert alles. Gentrifizierung in Wien, bye bye Beisl!
Udo Jürgens, „Ein ehrenwertes Haus“ (1975): Udo und sein uneheliches Gspusi Ilona wollen schon ausziehen. Doch dann fliegt die ganze Heuchelei auf: Der graue Don Juan hat zwei Affären, die Witwe betreibt heimlich Zimmervermietung, der Fenster-Rentner parkt selbst dauernd falsch. Als die Polizei wegen eines Hinweises von Udo auftaucht, ziehen all die Scheinheiligen aus. Udo und Ilona bleiben. Endlich Ruhe. JÖRG HEINRICH