MEIN LIEBLINGSKUNSTWERK

Leuchten in finsteren Zeiten

von Redaktion

Wenn man in diesen kalten und dunklen Tagen durch München läuft und zufällig die Franziskanerstraße passiert, kann es sein, dass man plötzlich innehält. Innehält vor einem Gebäude, an dem man schon diverse Male vorbeigelaufen ist, die meisten von uns haben es sicherlich noch nie betreten (müssen): das Amt für Wohnen und Migration. Und wenn man nun eben, weil die wenigen Stunden Licht des Tages schon passé sind, dort vorbeigeht, dann sieht man sie: die rote Leuchtschrift, die sich quer über das Gebäude zieht, klein, unaufdringlich, aber da: das Grundgesetz, in Kunst verwandelt von Dietmar Tanterl. „Die Würde des Menschen ist unantastbar”, steht da, links oben beginnend – und fließt dann weiter. Und erinnert uns, sofern wir uns denn diesen kurzen Moment Zeit nehmen, an die Grundfeste dieser unserer Gesellschaft, dieses Vertrages, der am 8. Mai 1949 verabschiedet wurde. So sehr wir alle mit diesen Zeilen aufgewachsen sind: In finsteren Zeiten ist es gut, sie leuchten zu sehen, beständig und mahnend. PS: Wenn Sie das lesen, werden die Tage schon wieder länger.LISA STIEGLER (SCHAUSPIELERIN)/ FOTOS: MARKUS GÖTZFRIED/JOEL HEYD

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