Team der Erzkomödianten

von Redaktion

Begeisternde „Fledermaus“ mit Rolando Villazón an der Staatsoper

Feuertaufe für die Lachmuskeln: der umgarnte Schwerenöter Gabriel (Rolando Villazón). © Geoffroy Schied

„Die Fledermaus“ gilt vielen als die wahrscheinlich wienerischste aller Operetten. Und ja, der berüchtigte Schmäh der Donaumetropole dampft hier schon aus den ersten Takten der berühmten Ouvertüre, mit der Nicholas Carter die Silvestervorstellung der Bayerischen Staatsoper schmissig eröffnet. Trotzdem ist der Klassiker von Johann Strauß (Sohn) längst musikalisches Allgemeingut, das rund um den Globus seine Verehrer hat. Das demonstriert im Nationaltheater keineswegs nur der australische Maestro im Graben, sondern auch ein prominent besetztes Multikulti-Ensemble oben auf der Bühne.

Angeführt von Rolando Villazón als Gabriel von Eisenstein, auch bekannt unter seinen mexikanischen Spitznamen „Gabrielito“ oder „Xabi“. Er ist in dieser hyperaktiv überdrehten Inszenierung von Barrie Kosky bestens aufgehoben. Schon bei der durchchoreografierten Ouvertüre darf Villazón hier mit dem Ballett-Ensemble flott das Tanzbein schwingen und später ebenso agil die Polka „Unter Donner und Blitz“ anführen. Dass ihm die Slapstick-Momente liegen und das komödiantische Timing punktgenau sitzt, muss man bei ihm eigentlich nicht mehr groß erwähnen. Wohl aber, dass es der Publikumsliebling sichtlich genießt, hier nicht einfach nur den charmanten Sonnyboy geben zu müssen. Denn auch die schmierigen Seiten des notorischen Fremdgehers werden von ihm genüsslich bedient, wenn er bei seinen Umgarnungsversuchen noch mal eine extra Portion Schmalz und Schluchzen in die Stimme packt.

Obwohl er hier klar im Mittelpunkt steht, ist und bleibt Rolando Villazón aber ein echter Teamplayer. Vor allem im Zusammenspiel mit Martin Winklers Gefängnisdirektor Frank. Der lange Dialog im dritten Akt, der mit seiner Zoten-Parade schon mal peinlich durchhängen kann, ist dank dieser beiden Erzkomödianten ein Highlight des Abends. Und auch die Chemie mit Gattin Rosalinde stimmt. Weil Rachel Willis-Sørensen ähnlich selbstironisch die bestens vertrauten Primadonnen-Klischees aufs Korn nimmt und ihren Csárdás mit ordentlich Paprika würzt. Wobei sie mit einem sonoren „Nessun dorma“-Echo auch kurz im Repertoire ihres Liebhabers wildern darf.

Die übrigen Tenor-Schlager lässt sich Pavol Breslik freilich nicht nehmen und säuselt sich als Alfred ungeniert ins Herz der Damenwelt. Einzig Kammerzofe Adele kann mit seinem Gewinsel nichts anfangen. Was wenig wundert, denn Miriam Mesak hat ganz klar andere Ziele und trillert sich mit sicheren Koloraturen mühelos in die feine Wiener Gesellschaft rund um Konstantin Krimmels noblen Dr. Falke und den glamourösen Orlofsky von Countertenor John Holiday. Kurz gesagt: Koskys Inszenierung hat mit dieser fast komplett neu besetzten Wiederaufnahme ihre Feuertaufe bestens bestanden und darf gerne noch lange im Repertoire verweilen!TOBIAS HELL

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