Hoch die Tassen!

von Redaktion

Weltweit stoßen Fans an diesem Samstag auf den Geburtstag von J. R. R. Tolkien an

Er lebte zurückgezogen: Autor J. R. R. Tolkien (1892-1973). © John Wyatt/Klett-Cotta

„The Professor“ lautet der Toast, der jährlich am 3. Januar um 21 Uhr Ortszeit auf J. R. R. Tolkien ausgebracht wird. Ganz ähnlich wie die Hobbits in dieser Szene aus der Verfilmung „Der Herr der Ringe“. © New Line Cinema

Jedes Jahr am 3. Januar erheben Tolkien-Fans rund um den Globus ihre Gläser – ganz gleich, ob gefüllt mit Tee, Bier, Met oder Saft. Anlass ist der Geburtstag von John Ronald Reuel Tolkien (1892-1973), dem Autor von „Der Herr der Ringe“ und „Der Hobbit“. Der sogenannte Tolkien Birthday Toast ist eine von der Tolkien-Society initiierte, weltweite Tradition, die so schlicht wie verbindend ist: Um 21 Uhr Ortszeit stehen die Teilnehmenden auf, heben ihr Glas und sprechen einen einzigen, knappen Trinkspruch: „The Professor!“ – oder auf Deutsch: „Der Professor!“. Danach wird ein Schluck genommen, der Rest des Getränks in Ruhe genossen.

Was banal klingt, ist für viele Fans ein fester Termin im Kalender. Unter dem Hashtag #TolkienBirthdayToast posten sie in den Sozialen Netzwerken Bilder, wie sie mit einem Getränk ihrer Wahl auf den Geburtstag des Schriftstellers anstoßen.

Auch in Deutschland hat sich diese Tradition längst etabliert. In der Deutschen Tolkien Gesellschaft treffen sich an diesem Samstag zahlreiche der mehr als 30 Tolkien-Stammtische zu einem gemeinsamen Toast auf den großen Erzähler, sagt Annika Röttinger, Pressesprecherin der Deutschen Tolkien Gesellschaft. Für diejenigen, die keinen Stammtisch in ihrer Nähe haben, gehöre zudem eine Live-Sonderfolge des Podcasts „TolkCast“ zum festen Programm, berichtet sie.

Die Tolkien-Stammtische sind regelmäßige Treffpunkte für Mitglieder der Deutschen Tolkien Gesellschaft ebenso wie für interessierte Gäste. Im Mittelpunkt steht immer die gemeinsame Liebe für die Geschichten J. R. R. Tolkiens. Man diskutiere über Tolkiens Werke, Fantasy-Literatur allgemein oder das Vereinsleben – niederschwellig, offen und ohne Zugangshürden, sagt Röttinger. „Es muss weder der ,Herr der Ringe‘ auswendig gewusst, noch Elbisch gesprochen werden.“

Am Anfang stand der Satz: „In einer Höhle unter der Erde lebte ein Hobbit“, den der Oxforder Professor Tolkien in den Dreißigerjahren auf eine Examensklausur kritzelte. Eine spontane Eingebung mit gewaltigen Folgen. Aus diesem Satz entwickelte Tolkien zunächst „Der Hobbit“ (1937), später dann sein monumentales Hauptwerk „Der Herr der Ringe“ (1954/55). Millionen Leser auf der ganzen Welt haben die Abenteuer um den Hobbit Frodo Beutlin verschlungen, der als Träger des „einen Ringes“ ausgewählt ist, diesen zu zerstören und die Welt vor Sauron, dem Herrscher von Mordor, zu schützen.

Werte wie Freundschaft, Loyalität, Treue und Opferbereitschaft werden von einer Macht bedroht, die die Welt ins Verderben reißen will. Tolkiens Bücher wurden nach Angaben des deutschen Klett-Cotta-Verlags in mehr als 80 Sprachen übersetzt und haben sich weltweit millionenfach verkauft. Die Internationale Tolkien Gesellschaft ging schon vor Jahren von Buchverkäufen im Bereich von 250 bis 300 Millionen aus. Mit der aufwendigen Verfilmung der „Herr der Ringe“Trilogie von Peter Jackson Anfang der Nullerjahre kamen viele neue Fans dazu, die teilweise die Bücher nicht kannten.

Der Wissenschaftler und Autor Tolkien hatte sich in seinem Elfenbeinturm gut eingerichtet, ähnlich wie die Hobbits in ihren Höhlen. Er führte ein zurückgezogenes Gelehrtenleben; für ihn zählten ein Spaziergang und die anschließende typisch britische „Tea-Time“ zu den Höhepunkten des Tages. Kaum etwas an ihm deutete darauf hin, dass er einmal einen globalen Fan-Kult auslösen würde. Und doch stoßen Jahr für Jahr Menschen weltweit auf ihn an – mit einem Glas, einem einfachen Trinkspruch und der Erinnerung an einen Professor, der eine ganze Welt erschuf. CHRISTIANE LAUDAGE

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