Habermas beschenkt Frankfurt

von Redaktion

Die Goethe-Universität erhält Unveröffentlichtes, die private Korrespondenz und den Rechner des Philosophen

Legendär: Philosoph Jürgen Habermas. © Lyding/KNA

Der Philosoph und Soziologe Jürgen Habermas gilt als einer der wichtigsten Denker unserer Zeit – nun hat die Goethe-Universität Frankfurt am Main Zugriff auf nahezu alle Dokumente aus seinem jahrzehntelangen Schaffen. 2026 soll sein sogenannter Vorlass katalogisiert und wissenschaftlich erschlossen werden, wie die Hochschule ankündigte.

Als Vorlass bezeichnet man die Materialsammlung einer prominenten Persönlichkeit, die im Gegensatz zu einem Nachlass bereits zu Lebzeiten übergeben wird. Habermas, der viele Jahre an der GoetheUniversität lehrte, hat mit seinen Arbeiten den politischen und gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland geprägt.

Schon 2011 hatte der heute 96-Jährige den ersten Teil seines Vorlasses übergeben. Er umfasste alle Materialien bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1994. Im Februar 2025 übergab er den zweiten Teil mit Dokumenten aus den vergangenen drei Jahrzehnten, darunter etwa die Korrespondenz mit dem früheren EZB-Präsidenten Mario Draghi.

Der erste Teil war weitgehend auf Papier, bei dem zweiten überwiegen digital gespeicherte Dokumente. Auch der private Rechner des Philosophen wurde übergeben. Auf ihm sind unter anderem unveröffentlichte Versionen seiner Texte gespeichert. Für die Bearbeitung wird jetzt eine zweijährige Projektstelle eingerichtet. Der Vorlass werde „für die vielfältige und differenzierte Wahrnehmung und Würdigung von Jürgen Habermas eines Tages von hohem Wert sein“, sagte Mathias Jehn von der Frankfurter Universitätsbibliothek. Nach seinem Tod hat Habermas der Hochschule auch seine gesamte Privatbibliothek versprochen.DPA

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