AUSBLICK

Abgespeckte Sause

von Redaktion

Die Bayreuther Festspiele feiern in diesem Sommer ihren 150. Geburtstag

Ein riesiges Ei hat sie ihm da ins Nest gelegt. Eines sogar, das nie und nimmer für diesen heiligen Ort gedacht war. Doch Katharina Wagner geht das Risiko ein, den monumentalen „Rienzi“ ihres Uropas Richard erstmals auf dem Grünen Hügel spielen zu lassen. Die Neuproduktion bildet im kommenden Sommer das Zentrum der Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag der Bayreuther Festspiele. Am 13. August 1876 nahmen erstmals Gäste auf den Holzklappstühlen in diesem Hause Platz, „welches nachzuahmen der ganzen modernen Theaterwelt unmöglich bleiben muss“. So der Komponist in seiner bekannt unbescheidenen Art.

Doch Richard Wagner hatte ja Recht. Die Akustik ist nach wie vor singulär, ebenso die Atmosphäre. Und die Temperatur sowieso: Mangels Klimaanlage werden hier regelmäßig Smokings durchgeschwitzt, die Damenwelt ist dank leichter Sommerkleider im Vorteil. Ursprünglich wollte Katharina Wagner den Geburtstag mit einer entsprechenden Giga-Sause feiern. Alle für Bayreuth zugelassenen Wagner-Opern sollten gespielt werden – plus eben erstmals der „Rienzi“, jenes Antikendrama über die Endzeit des Römischen Reichs, mit dem der Meister seinen Durchbruch erlebte. Und das, dies nur nebenbei, Adolf Hitler zu seinem Lieblings-Wagner erklärte.

Doch das Geld ist zu knapp, die Festspielleiterin musste für 2026 umdisponieren. Neben dem „Rienzi“ gibt es nur noch Wiederaufnahmen des „Fliegenden Holländer“ und „Parsifal“ plus immerhin einen kompletten „Ring des Nibelungen“. Letzterer wird halbkonzertant gegeben mit durch Künstliche Intelligenz erzeugten Bühnenbildern. Mutmaßlich ist das den meisten Fans wurscht – Christian Thielemann steht schließlich am Pult.

Wagners Stellvertreter auf Erden (das finden jedenfalls die meisten Hügel-Pilger) dirigiert zudem am 25. Juli 2026 das Eröffnungskonzert mit Beethovens Neunter. Die Symphonie erklang auch 1872 bei der Grundsteinlegung des Festspielhauses und wird dort immer wieder zu Jubiläen aufgeführt. Eine Uraufführung gibt es ebenfalls, nicht im Festspielhaus, wohl aber unten in der Stadt, im Friedrichsforum. „Brünnhilde brennt“ von Bernhard Lang befasst sich mit dieser zentralen „Ring“-Figur. Abgespeckte Geburtstagssause hin oder her: Das Programm inklusive Besetzung gibt Katharina Wagner Recht – erstmals seit Jahren sind die Festspiele viele Monate vor Beginn ausverkauft.MARKUS THIEL

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