Wenn man es sehr streng nimmt, hätten die Herausgeber von „Liebste Freundin!“ die Sammlung der erhaltenen Briefe Jane Austens auch „Liebste Schwester!“ nennen können. Immerhin ist Cassandra Austen die häufigste Adressatin, nebst anderen Familienmitgliedern und ja, Freundinnen der Autorin, deren 250. Geburtstag im vergangenen Dezember Anlass für die gelungene Neuübersetzung ihrer Korrespondenzen ist. Austen selbst hätte diese Spitzfindigkeit wohl albern gefunden. Die 161 Briefe, die sie zwischen 1796 und ihrem Tod im Jahr 1817 verfasste, offenbaren allerlei über Leben und Alltag der Frau, die vielen als Begründerin des modernen Romans gilt. Sie zeugen aber auch von einer scharfen Beobachtungsgabe, sind Spiegel der Gesellschaft Englands im ausgehenden 18. Jahrhundert, die Jane Austen in ihren Werken so treffend porträtiert. „Liebste Freundin!“ richtet sich an Verehrer der Autorin, liest sich aber erstaunlich modern und hält Überraschungen für alle bereit, die sich darauf einlassen.KBK
Jane Austen:
„Liebste Freundin!“. Manesse, 511 Seiten; 45 Euro.
★★★★☆ Lesenswert