Moderatorin und illustre Gäste: Christl Sittenauer, Michael Altinger (o. li.) und Stephan Zinner. © Lach und Schieß
„Come Together“! Das Hippie-Kammerorchester sorgte für Stimmung auf der neuen Bühne. © Lach und Schieß
Das weithin bekannte orangegelbe Schild weist einem schon im zugigen Innenhof des früheren Gasteigs den Weg. Auch die knallig bunten Plakate vergangener Programme verwandeln das nach wie vor ziemlich volkshochschulisch anmutende Foyer des heutigen Fat Cat ein wenig. Neben dem Eingang in den ehemals als „Kleinen Konzertsaal“ bekannten Raum im ersten Stock blicken neben den Gründervätern viele gewesene und gegenwärtige Stars der deutschen Kabarettszene auf die Gäste herab – und manche auch etwas skeptisch in die Zukunft, scheint es. Wie wird das jetzt werden mit der Lach- und Schießgesellschaft im Interimsquartier in Haidhausen?
Die Enge der Schwabinger Spielstätte ist einem deutlich mehr Plätze bietenden Zuschauerrund gewichen. Doch das Team um Till Hoffmann, den derzeitigen Geschäftsführer der Lach und Schieß, hat sich sichtlich und mit Erfolg bemüht, einen Hauch der vertrauten Gemütlichkeit mit an den nach wie vor nicht wirklich heimeligen Ex-Kulturbunker nahe dem Rosenheimer Platz zu bringen. Die orangefarbenen Hängelampen im Bühnenhintergrund kommen einem diffus bekannt vor. Die mit Stroh umantelte Kugelfunzel auf der rechten Seite ebenfalls. Auch der winzige Barbereich links, das Klavier, das farbenfrohe Wandgemälde und ganz ohne Zweifel die vielen Karikaturen und Zeichnungen. Alles weckt liebgewonnene Erinnerungen an den legendären „Laden“ an der Ursulastraße.
Der mit vielen berühmten Namen der aktuellen Szene gespickte Eröffnungsabend in den neuen Räumlichkeiten beginnt allerdings erst einmal eher bieder: Das an sich gut aufgelegte Hippie-Kammerorchester tritt auf und intoniert ein Beatles-Medley mit Texten wie „We all live in der neuen Lach und Schieß“. Doch allein dank Christl Sittenauers charmanter Moderation kommt der bunte Abend, den von Michael Mittermeier über Constanze Lindner und Sven Kemmler bis Severin Groebner, Michael Altinger und Alexander Liegl ganz unterschiedliche Künstler gestalten, anschließend rasch in Schwung.
Frank Klötgen, Mitglied des aktuellen Lach- und Schieß-Ensembles, trägt ein Gedicht mit dem Titel „Der Kabarettgast“ vor, das im „Laden“ einst vor den Toiletten an der Wand hing: „Nie mehr schau’ ich mir so’n Mist an/ wie den ‚Hamlet‘ oder ‚Tristan‘.“ Anschließend betritt der nächste Nockherberg-Fastenprediger Stephan Zinner die Bühne und macht mit seinen gepfefferten kleinen Spitzen zu Bowls, Bioladen-Angestellten, Grillwürstl im Schuhbeck-Palazzo oder zu Rezepten von Ottolenghi schon mal Appetit aufs nächste Derblecken im März.
Der beschwingte Reigen der poetischen Unruhestifter, zweifellos ein „Best of“ der deutschsprachigen Kabarettszene, wird nur einmal durch einen kurzen, wehmütig-liebevollen Film-Rückblick auf die Lach-und-Schieß-Gründerväter unterbrochen. Sammy Drechsel erzählt darin, dass er eine Sache in seinem Leben leider nicht geschafft habe: „Ich war nie in der Fußballnationalmannschaft.“ Seine Kollegen vom „FC Schmiere“ wie Horst Jüssen oder Dieter Hildebrandt erinnerten sich an legendäre Spiele – und Jochen Busse wundert sich bis heute, warum er als Fußball-Ahnungsloser überhaupt Ensemblemitglied werden durfte.
Zum großen Finale steht noch einmal das Hippie-Kammerorchester parat. Und jetzt zündet jeder Song des Trios, von „Come Together“ bis „Let the Sunshine in“, bei dem das gesamte Publikum im Saal mitsingt und anschließend selig und proseccotrunken hinaustaumelt in die eisige Kälte Haidhausens, beleuchtet vom Lach-und-Schieß-Schild.ULRIKE FRICK
Infos zum Programm
unter lachundschiess.de