Aus der Reserve gelockt

von Redaktion

Andrea Marcon am Pult der Philharmoniker

Flexibilität, das ist nicht erst seit dem Umzug ins HP8 die Devise der Münchner Philharmoniker. Da schadet es natürlich nicht, wenn man sich auch abseits des Kernrepertoires mit Mahler, Bruckner und Co. hin und wieder aus der Reserve locken lässt.

Zu diesem Zweck hatte man sich nun mit Andrea Marcon erneut einen Experten für historische Aufführungspraxis ans Pult geladen. Schließlich steht Ende Januar der 270. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart im Kalender, der von den Philharmonikern mit ihrem Programm mehr als würdig vorgefeiert wurde.

Schon die spritzige Ouvertüre zu „Le Nozze di Figaro“ ließ da wenig Zweifel aufkommen, mit wie viel Neugier sich das Orchester auf die Sichtweise Marcons einließ. Egal ob in den transparenten Streichergruppen oder in den Bläserstimmen, die der Dirigent sowohl in der C-Dur-Symphonie KV 338 als auch beim späteren Pendant in Es-Dur mit der KV-Nummer 543 bestens in Szene zu setzen verstand. Wobei Marcon nicht nur die Entwicklung Mozarts nachzeichnete, sondern auch seine musikalischen Wurzeln präsent hielt.

In der Welt der Barockzeit ist normalerweise auch Sopranistin Julia Lezhneva zu Hause. Was sie zur idealen Partnerin für Marcon machte. Mit zusätzlichen Verzierungen und instrumentaler Stimmführung wurde Mozart auch von ihr aus dem Geist seiner Vorgänger gedacht. Und zwar nicht nur beim Jugendwerk „Il re pastore“, sondern ebenso bei späten Meisterwerken wie „Così fan tutte“ oder „La Clemenza di Tito“. Gerade das emotional aufgewühlte „Parto, ma tu, ben mio“ zeigte, wie sehr ihre Stimme mittlerweile auch in der Tiefe an Substanz gewonnen hat.

Mit der Motette „Exultate, jubilate“ erklang dazu noch eines der absoluten Sahnestücke von Julia Lezhneva. Ein Virtuosenstück erster Kategorie, bei dem sie ihren apart timbrierten Sopran in höchste Höhen segeln ließ und ihren Ausnahme-Rang eindrucksvoll untermauerte. TOBIAS HELL

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