Schuf den „Sound of Munich“: Giorgio Moroder. © Matzka/dpa
Legendärer Philosoph: Jürgen Habermas. © Arne Bänsch/dpa
Nur keine Scheu: Bei der „habermas disco“ war das Publikum eingeladen, mitzutanzen. © Franz Kimmel
Tanz entsteht nicht im freien Raum, sondern ist immer verwoben mit der Geschichte seines „Geburtslandes“ – und mit unserer Faszination an variierter Bewegung. Schon während Micha Purucker, Jahrgang 1958, Architektur und Theaterwissenschaft studiert, entdeckt er seine bis heute anhaltende Leidenschaft für die Kunst des Tanzes. Im Münchner Schwere Reiter hatte nun eine Purucker-Choreografie Premiere – dem Titel „habermas disco“ entsprechend ohne Bestuhlung!
An seinem Pult startet Komponist und Musiker Robert Merdzo – Puruckers langjähriger Musik-Begleiter – mit der Zuspielung verschiedener Melodien und Songs wie „I feel Love“ von Donna Summer und „Queen of Chinatown“ von Amanda Lear. Ab und an greift Merdzo auch zur Gitarre.
Und schon marschiert Puruckers Siebener-Mannschaft im Gänsemarsch herein. Dann: einfache Gesten, Schreiten, Niedergehen auf die Knie, biegsame Ganzkörper-Bodenfiguren, Drehungen, Zusammenschließen zu Zweier- und Vierer-Gruppen und zu einem kleinen Kreis. Und all diese Soli, diese variierten Gruppenformationen sind absichtsvoll an verschiedenen Stellen der Halle, sodass sich die Zuschauenden unvermeidlich im Raum mitbewegen müssen. Mal formiert sich also rechts und links vom Tanzensemble je eine Zuschauerkolonne, mal rundum eine Art Arena. Zu beobachten ist in der folglich wandelnden Menge, dass sich Pärchen oder auch Singles im Rhythmus der Musiken sanft bewegen. Was ja genau Puruckers Absicht war.
„Jeder Mensch ist ein Tänzer“ wusste schon Rudolf von Laban (1879-1958). Der berühmte ungarische Choreograf und Tanztheoretiker betonte damit die universelle Ausdruckskraft des menschlichen Körpers und die Freude an der Bewegung, die jedem innewohnt. Das ist hier das wichtige Thema. Man lasse sich drum nicht beirren durch den im Stück-Titel erwähnten Jürgen Habermas.
Tatsächlich lehrte der bekannte Philosoph, Jahrgang 1929, von 1971 an am Max-Planck-Institut in Starnberg. Sein Thema zu der Zeit war die Sprach- und Konsensustheorie, ein sehr weites Feld für Tanzfans.
Erwähnenswert ist allerdings, wie im Programmheft zu lesen, dass der klassische „Sound of Munich“, eine Spielart der Disco-Musik, ab Mitte der Siebzigerjahre von Giorgio Moroder, Jahrgang 1940, in den Münchner Musicland Studios produziert wurde. Zu der Zeit stieg Donna Summer durch ihren Hit „I feel Love“ zum Superstar auf.MALVE GRADINGER