Regelmäßige Konzertgänger dürften die unterschiedlichen Kategorien der Klavier-Shootingstars kennen. Da gibt es diejenigen, die mit großer Geste das werbewirksame Etikett des „jungen Wilden“ untermauern. Oder solche, die mit ausdrucksvoller Mimik in jeder Moll-Phrase mitleiden, als ruhe die Last der ganzen Welt auf ihren Schultern.
Aber dann gibt es da auch noch Lukas Sternath. Er hatte jüngst im Prinzregententheater keine Selbstinszenierung nötig, weil bei ihm einzig und allein die Musik im Zentrum steht. Im leicht abgedunkelten Saal nahm er da hochkonzentriert am Flügel Platz und ließ sich Zeit, bis auch das letzte Rascheln und Husten verstummt war. Dann endlich durften sich die Anfangstakte von Schuberts B-Dur Sonate D960 ihren Weg bahnen. Zunächst noch locker aus der Hand geschüttelt, doch keineswegs beiläufig. Der junge Österreicher legte schon im ersten Satz ein solides Fundament für eine fesselnde Interpretation, bei der man bald jedes Zeitgefühl verlor. Weil er auch in den stillen Momenten die Spannung nie abreißen ließ und seinem großen Plan ohne Kompromisse folgte.
Diese Qualitäten zeigten sich ebenso in Prokofjews Klaviersonate op. 84, die den zweiten Teil des Abends dominierte. Ein Werk aus dem Jahr 1944, dessen zeitlichen Hintergrund Lukas Sternath sehr wohl spüren ließ. Kühle Eleganz wechselte hier immer wieder mit dramatischen Passagen von erschütternder Intensität. Gekrönt von einem sich immer weiter hochschaukelnden Finalsatz, in dem Sternath mit virtuoser Präzision beinahe atemlos der Ziellinie entgegenjagte.
Luft holen musste danach erst einmal auch seine Fangemeinde, die ihn für diese brillante Darbietung mit Jubel feierte und ihm damit gleich noch zwei gefühlvolle Zugaben abtrotzte. Aber keine Angst, sein nächstes Gastspiel dürfte nicht allzu lange auf sich warten lassen.TOBIAS HELL