Dirigent Bas Wiegers und die fulminante Solistin Patricia Kopatchinskaja © Florian Ganslmeier
Hierzulande selten bis nie zu Hörendes, ja geradezu „Unerhörtes“ brachte das Publikum im Abo-Konzert des Münchener Kammerorchesters am Donnerstagabend im Prinzregententheater zum Jubeln. Vor allem nach dem Violinkonzert von Márton Illés, das Patricia Kopatchinskaja zu einem musiktheatralischen Gesamtkunstwerk machte.
Nicht nur das üppige, leuchtend rote Mantelkleid über nackten Füßen und ihre extrovertierte Gestik gehörten dazu, sondern natürlich vor allem ihr fulminantes Geigenspiel. Es scheint nichts zu geben, was sie auf der Geige nicht bewerkstelligen kann. So packte der ungarische Komponist in sein von MKO und WDR Sinfonieorchester in Auftrag gegebenes Werk „Vont-tér“ alles hinein, was die (Solo-)Violine zu leisten vermag und schickte auch die Streicherkollegen auf einen heißen Höllenritt. Dabei hielt der stets locker agierende Bas Wiegers am Pult alle Fäden souverän in der Hand. Was im Piano und geradezu pointillistisch (Streicher, Bläser, Schlagzeug setzten ihre Farbtupfer) begann, lud sich rasch mit Energie auf, dabei schraubte sich die Solistin in die Höhe, wurde im Fortissimo sogar ein Donnerblech bemüht.
Ob Patricia Kopatchinskaja mit ihrer Geige zitterte, klagte, krächzte, alberte, kokettierte oder auftrumpfte – sie tat das alles mit virtuoser Griff- und Bogentechnik und mit Freude an dieser im leisen Paukenschlag wie im schrillen Ton der Bläser-Mundstücke überrumpelnden Musik. Erstaunlich, dass sie immer im Klang blieb und nicht ins Geräusch kippte.
In Milhauds ebenso origineller wie ohrschmeichelnder Ballettmusik „La Création du Monde” bewiesen nicht nur Saxofon, Klarinette und Kontrabass, dass sie sich in Jazz-Gefilden und Rumba-Rhythmen wohlfühlen. Nach langsamem Beginn setzte Wiegers bei Weills vorwärtsdrängender Sinfonie Nr. 2 auf starke Kontraste und das MKO machte begeistert mit.GABRIELE LUSTER