Premiere mit Pannen

von Redaktion

Komödie im Bayerischen Hof – Souffleuse rettet TV-Star in „Wer schießt auf Frau Hummel?“

Kleine Schwächen bei der Premiere: TV-Star Dirk Galuba ist im Spiel mit Saskia Vester nicht immer textsicher. © Alvise Predieri

Wenn zwei TV-Lieblinge sich selbst ein Stück auf den Leib schneidern, könnte das durchaus nach hinten losgehen. Immerhin riecht so etwas im ersten Moment schon sehr nach Ego-Nummer. Bei Saskia Vester und Aykut Kayacik darf man in dieser Hinsicht allerdings beruhigt aufatmen. Denn mit „Wer schießt auf Frau Hummel?“ hat das Duo tatsächlich nicht nur seine eigenen Rollen gut in Szene gesetzt, sondern gönnt auch den Kolleginnen und Kollegen so einige dankbare Schenkelklopfer.

Der Titel lässt da im ersten Moment noch an einen Krimi oder Thriller denken. Aber trotz rasanter Raster-Fahndung im Finale ist das, was man hier in der Komödie im Bayerischen Hof erlebt, in erster Linie wieder einmal klassisches Boulevard-Theater. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Da dreht sich alles um die patente Henriette Hummel, die von ihrem Mann nach Strich und Faden betrogen wurde und die von ihm angehäuften Schulden nun als private Pflegekraft abarbeiten muss. Wobei sie leider vom Regen in die Traufe kommt. Der von Henriette betreute Admiral im Ruhestand ist nämlich ein miesepetriger Grantler par excellence, der auch für seine erbschleichende Familie gar nicht früh genug von der Bühne des Lebens abtreten kann.

Was Vester und Kayacik aus dieser Grundsituation im Detail machen, soll hier nicht verraten werden. Denn vieles kann man sich wahrscheinlich schon selbst zusammenreimen. Weshalb sich der Unterhaltungsfaktor weniger an dem bemisst, was erzählt wird, sondern eher an den genretypischen Missverständnissen und Verwechslungen, mit denen das Autoren-Duo seine Komödie würzt. Da muss dann zwar die Schrotflinte des Admirals nach der ersten Eskalation sicherheitshalber aus dem Haus. Aber bei den Pointen wird weiterhin scharf geschossen. Sei es gegen ein orangefarbenes Staatsoberhaupt, gegen die Deutsche Bahn oder gegen den schwächlichen Schwiegersohn, den Alexander Mattheis mit herrlich treudoofem Dackelblick verkörpert. Und so überzogen zickig, wie Anna Lena Class seine herablassende Gattin gibt, könnte man mit ihm sogar fast ein wenig Mitleid haben. Aber eben doch nur fast.

In der routiniert abgespulten Inszenierung von René Heinersdorff liegen die Sympathien klar auf Seiten der Titelheldin. Saskia Vester weiß selbst die flachste Pointe mit unschuldigem Pokerface sicher zu verwandeln und das Publikum für sich zu gewinnen. Wobei sie immer wieder durchblicken lässt, dass hinter den sarkastischen Bemerkungen oft nur blanker Pragmatismus steckt, um mit den Fallstricken des Lebens besser zurechtzukommen.

Schade also, dass ausgerechnet ihr wichtigster Spielpartner bei dieser Premiere schwächelt. Denn obwohl Dirk Galuba als knurriger Patriarch eigentlich ganz in seinem Element wäre, hat die Souffleuse hörbar ihre liebe Not, den „Sturm der Liebe“-Veteranen textlich in der Spur zu halten. Worunter das gerade für eine Komödie so essenzielle Timing zunehmend leidet und das Ende ein wenig zu verpuffen droht. Rausreißen muss es daher doch Aykut Kayacik selbst, der in einer skurrilen Doppelrolle im wahrsten Sinne die Flucht nach vorn antritt. Und über die Chemie zwischen ihm und Saskia Vester muss man eh keine großen Worte mehr verlieren. Die passt! Egal ob auf der Bühne oder beim gemeinsamen Schreiben.TOBIAS HELL

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