Rund drei Monate nach dem spektakulären Kronjuwelen-Diebstahl im Pariser Louvre-Museum haben französische Medien erstmals Aufnahmen von Überwachungskameras veröffentlicht, die dessen Ablauf genau zeigen. In den von den Sendern TF1 und France Télévision verbreiteten Videos ist gut zu erkennen, wie zwei Männer im Apollosaal des Louvre zu den Schmuckvitrinen stürmen und dort das Glas mit Trennschleifern und Fausthieben einschlagen, bevor sie in aller Eile Schmuckstücke zusammenraffen.
Zu sehen sind auch vier Aufseher, die die Szene aus wenigen Metern Entfernung beobachten. Einer von ihnen ergreift einen für Absperrungen vorgesehenen Metallständer und macht ein paar Schritte auf die Täter zu, zieht sich dann aber unentschlossen wieder zurück.
Als die Täter sich die Taschen vollgestopft haben, laufen sie zurück zum Balkon, über den sie mithilfe eines Lastenaufzugs in das Museum eingedrungen waren. Dabei lässt einer der beiden mehrere Schmuckstücke fallen, die er schnell vom Boden aufhebt. Die ganze Szene wirkt eher dilettantisch als wie eine Tat von Profis. Der Einbruch dauerte nach Angaben der Ermittler weniger als vier Minuten. Die alarmierten Sicherheitskräfte kamen etwa eine halbe Minute zu spät, um die Diebe zu stoppen. Die beiden Täter und zwei Komplizen sind in Untersuchungshaft, von der Beute fehlt jede Spur. Befragungen der Festgenommenen hätten keine neuen Erkenntnisse gebracht, sagte die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau.
Unklar ist demnach weiterhin, ob die Diebe Auftraggeber hatten. Beim Einbruch am 19. Oktober hatten die Diebe Kronjuwelen im materiellen Wert von etwa 88 Millionen Euro und unschätzbarem historischen Wert gestohlen. Eine Krone hatten sie bei der Flucht verloren. Acht weitere Schmuckstücke bleiben verschwunden, darunter eine mit Smaragden und Diamanten besetzte Kette, die Napoleon Bonaparte seiner zweiten Frau Marie-Louise geschenkt hatte. Experten gehen davon aus, dass Hehler die Edelsteine herausgebrochen und das Gold eingeschmolzen haben. In den gestohlenen Diademen, Ohrringen und Ketten waren rund 8500 Diamanten und 200 Perlen verarbeitet.JÉRÉMY TORDJMAN