Phonstarker Verdi

von Redaktion

Wiederaufnahme von „Nabucco“ an der Bayerischen Staatsoper

Mit Sopranhöhe und Ausdruckskraft punktete Ewa Plonka in der Rolle der Abigaille. © Geoffroy Schied

Giuseppe Verdis Oper „Nabucco“ hat den Ruf, seine lauteste zu sein. Eine seiner verworrensten ist sie allemal. Auch bei der Wiederaufnahme der 18 Jahre alten Produktion von Yannis Kokkos im Nationaltheater ließen es Dirigent Francesco Ivan Ciampa, Bayerisches Staatsorchester, Staatsopernchor samt Extrachor und die Solisten nicht an Phonstärke mangeln.

Doch schenkte der Dirigent ebenso den Gebeten und den Momenten der Innenschau in den Arien der Abigaille, des Nabucco oder dem Herzstück des kruden Werkes, dem Gefangenenchor „Va pensiero sull’ali dorate“, seine Aufmerksamkeit. Da dominierten Feinabstufungen und zartere Töne, wurde die Gefühlswelt intensiv ausgeleuchtet, ließ Abigaille die Zuhörer staunen.

Ewa Plonka, die ihren Sopran-Strahl mühelos über vom Orchester machtvoll unterfütterte Ensembleszenen schickte und mit Höhe und (Ausdrucks-)Kraft punktete, verstand es überdies, im emotionalen Ausbruch „Ben io t’invenni, o fatal scritto!“ das Publikum zu rühren. Das gelang auch dem mit markigem Bariton ausgestatteten Vladislav Sulimsky, der Nabuccos Bekehrung intensiv gestaltete. Sein Debüt an der Bayerischen Staatsoper bestand Kang Wang als ungestümer Ismaele. Dabei eroberte er das Publikum mit seinem offenen, nicht sehr metallischen, aber höhen- und ausdruckssicheren Tenor. Georg Zeppenfeld verbreitete als Zaccaria Hoffnung und Elmina Hasan steuerte die Herztöne der Fenena bei.

Aufhorchen ließ der junge Bassist Roman Chabaranok als Oberpriester. Dass sie alle sich in Uralt-Operngesten retteten und auch der Chor keine Individualisierung zeigte, liegt nicht nur am Alter der Inszenierung, sondern auch an Kokkos‘ Regie-Statik. Der bravouröse Staatsopernchor imponierte und wurde lautstark gefeiert. Ebenso das selbst in der zuweilen stereotypen Begleitung nie starre, immer flexible und klangschöne Staatsorchester.GABRIELE LUSTER

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am 21., 24. und 28. Januar;
Telefon 089/ 2185-1920.

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