Wie oft stellen wir uns diese Frage: Was wäre, wenn …? Wenn ich diesen Job angenommen, diesen Menschen nicht getroffen hätte? Wenn ich ein Kind hätte oder eben keines. Anne Sauer lässt die Hauptfigur in ihrem Debütroman, Toni, die in der elften Schwangerschaftswoche ein Kind verloren hat, am Morgen in einem parallelen Leben aufwachen – mit Kind, den Narben einer Geburt und der Schwiegermutter im Rücken. Fortan folgt man der aufgeteilten Figur auf zwei Lebenswegen, die sich jeweils wie ein Kommentar auf das andere lesen. Das ist überraschend wie berührend zugleich und voller scharfer Beobachtungen unserer Gesellschaft, egal ob es um den Alltag des Kinderwunschpaares in der Großstadt geht oder um die junge Familie im Heimatdorf. Aus den unterschiedlichen weiblichen Perspektiven wird Muttersein mit all seinen Herausforderungen verhandelt. Am 6. Februar stellt Anne Sauer ihren Debütroman im Literaturhaus vor. Infos: www.literaturhaus-muenchen.de. VES
Anne Sauer:
„Im Leben nebenan“. Erschienen bei dtv, 272 S., 23 Euro.
★★★★★ Hervorragend