Dichten, denken und schlemmen

von Redaktion

Die Internationale Jugendbibliothek in Pasing feiert den 100. Geburtstag von James Krüss

Vor dem Monopteros posiert James Krüss auf diesem Foto aus den Fünfzigerjahren. © Erbengemeinschaft Krüss

„Das wird eine Riesensause“, verspricht Christiane Raabe, Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, beim geselligen Pressefrühstück mit Weißwurst und Croissant. Und tatsächlich: Was sich in den Mauern von Schloss Blutenburg ankündigt, ist ein Festjahr der Kinderliteratur. Im Mittelpunkt steht James Krüss, dessen 100. Geburtstag am 31. Mai gefeiert wird – dort, wo seit über zwei Jahrzehnten sein Nachlass zu Hause ist.

„Wo Krüss draufsteht, ist auch Krüss drin“, sagt Raabe. Einer der vier Blutenburg-Türme trägt längst seinen Namen – ein literarischer Leuchtturm, der an die friesische Heimat des Helgoländers erinnert. Der James-Krüss-Turm wurde modernisiert und um Audiostationen erweitert, die Leben und Werk des Autors auf zeitgemäße Weise erfahrbar machen.

Das Jubiläumsprogramm ist ebenso verspielt wie Krüss‘ eigene Reimkunst. Unter dem inoffiziellen Titel „Krüss-Festspiele“ will die Bibliothek vor allem den „Münchner Krüss“ neu entdecken: mit einem Familienfest zur Wiedereröffnung des Turms am 31. Mai, bei dem – ganz nach Krüss’schem Geist – das „weltgrößte Gedichts-ABC“ entstehen soll. Zwei Tage zuvor lädt der literarisch-kulinarische Abend „Zu Gast bei James Krüss“ mit Tilman Spreckelsen dazu ein, in Versen zu schlemmen. Hinzu kommen die Matinée „Der Sängerkrieg der Heidehasen“ (26. April) und die Fachtagung „James Krüss im Kontext der Künste, Kulturen und Sprachen“ (3./4. Juli). Schon am 2. Juli wird der James-Krüss-Preis für internationale Kinder- und Jugendliteratur verliehen – Höhepunkt eines langen Festfrühlings.

Doch das Literaturjahr 2026 gilt nicht allein Krüss. Ab 15. September zeigt die Bibliothek die Ausstellung „Augen auf! Ali Mitgutsch und das große Gewimmel“ – eine Hommage an den „Vater der Wimmelbücher“ und an München selbst. Christiane Raabe will „diesen bedeutenden Illustrator und Autor neu kontextualisieren und in seiner Gesamtbedeutung darstellen“. Beide Künstler, so Raabe, verbinde mehr, als man meine: „War Krüss einer, der die Schmerzen einfach weglachte und sich in die Ferne sehnte, hatte auch Mitgutsch diesen Freiheitsdrang. Beide waren Kriegskinder, die die Schrecken des Trümmerdeutschlands erlebt und auf ihre Weise verarbeitet haben“. Der doppelte Fokus sei zugleich als „Hommage an die Literaturstadt München“ gemeint.

Auch Erich Kästner, Mentor von Krüss, erhält Raum. Die Tagung „Erich Kästner zwischen 1933 und 1945“ (26. bis 28. Februar) beleuchtet sein Wirken im Schatten des Nationalsozialismus, verbunden mit der Performance „Verboten, Verfolgt, Erinnert“ (19. Mai) – einem Schulprojekt zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933.

Bereits am 16. Februar eröffnet zudem die Schau „Am großen Strom. Der Fluss in aktuellen Bilderbüchern aus aller Welt“ – eine poetische Reverenz an die Würm, die ruhig am Schloss vorbeifließt. Die Anlässe, der idyllisch gelegenen Schlossanlage einen Besuch abzustatten, sind fraglos reichlich. Ein intensives literarisches Jahr steht bevor – für kleine wie große Bücherwürmer.ANNA BEKE

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