Aufforderung zum Tanz

von Redaktion

Spider-Kopf Günther Sigl rockt mit seiner Studioband das Münchner Lustspielhaus

Verblüffend frisch: Günther Sigl, inzwischen 78 Jahre alt.

Alles, was man zu Günther Sigl sagen kann, packt der Kopf der Spider Murphy Gang selbst in der ersten Minute seines Konzerts im Münchner Lustspielhaus zusammen. Hier in Schwabing habe alles begonnen in den Siebzigern. Man habe nur ein paar Straßen entfernt im Club Memoland gespielt, gleich gegenüber vom legendären Podium-Club. „Gibt es beide nicht mehr. Aber ich bin noch da“, sagt Sigl und stimmt „Schuitag“ an, vom Erfolgsalbum „Dolce Vita“ aus dem Jahr 1981. Und der Saal ist sofort in seiner Hand.

Mit seiner Solo-Band klingt Sigl rauer, erdiger, bluesiger als die Spiders und kommt damit dem Vorbild Chuck Berry näher. Ohne die Bürde der Kultband Spider Murphy Gang präsentiert sich Sigl verspielter, entspannter und klingt mal etwas nach Swing, mal nach Country oder auch Rumba. Geht alles, macht alles Spaß, besonders wenn er Klassiker der Spider Murphy Gang beherzt ummodelt, beispielsweise „Skandal im Sperrbezirk“ zur Ukulele darbietet. Dazwischen spielt er Stücke aus seinen beiden Solo-Alben, die verblüffend frisch daherkommen.

Im szenischen Beschreiben der alltäglichen Mühen des Mannes, die Gunst der Angebeteten zu erwerben, ist Sigl immer noch versiert. Auch wenn er in zwei Wochen 79 wird, ist er erkennbar sehr am fleischlichen Aspekt der Beziehung zwischen den Geschlechtern interessiert. Das kann schon mal ins Zotige abgleiten, und Sigl macht es sichtbar diebische Freude, das weitgehend mit ihm gealterte Publikum damit ein wenig zu schockieren. So wie Sigl nach über einem halben Jahrhundert im Musikgeschäft nach wie vor erkennbar viel Spaß macht, noch aufzutreten und seine Musik zu spielen.

Die harte Schule des jahrelangen Tingelns vor dem Durchbruch macht sich dabei heute noch bezahlt. Sigl weiß, wie man einen Saal im Griff hat, und wenn er trotz widriger Umstände (beengter Raum, tanzunlustige Männer) dazu auffordert, eine Runde Twist zu tanzen, dann stehen tatsächlich (fast) alle auf und tanzen eben den Twist. Als Wegbegleiter der Spider Murphy Gang ist man erleichtert zu hören, wie gut die Lieder von einst gealtert sind.

Den Walking Bass, den Günther Sigl zu „Wer wird denn woana“ spielt, ist schon beeindruckend. So wie auch die Bandkollegen, die Sigl um sich versammelt hat, dezente Könner sind, die punktgenau einen satten Klang erzeugen. Es wird dann doch ein recht langer Abend, denn Sigl ist agil und hat Spaß daran, gute Laune zu verbreiten. Schön war‘s.ZORAN GOJIC

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