Der unbekannte Blaue Reiter

von Redaktion

Herzstück des Lenbachhauses soll vollständig neu konzipiert werden

Unbekannt: „Ornamentale Komposition XV“ von Wilhelm Morgner. © Ernst Jank

Ein Porträt Bert Brechts illustriert das „Ferngespräch“.

Bekannt: Franz Marcs „Kühe, rot, grün, gelb“ von 1911. © Städtische Galerie im Lenbachhaus

Der Blaue Reiter ist das Herzstück des Münchner Lenbachhauses. Durch die Werke dieser Künstlergemeinschaft – viele von Gabriele Münter einst dem Haus vermacht – ist das Museum weltberühmt. Also ist die wichtigste Neuigkeit, die bei der Jahrespressekonferenz verkündet wurde, die vollständige Neukonzeption der Blaue-Reiter-Abteilung ab 10. März unter dem Motto „Über die Welt hinaus“. „Spiritualität“ sei der Kern, um den sich vieles dreht, ob beim gloriosen Wassily Kandinsky oder beim weniger bekannten Wilhelm Morgner, erläutern Kuratorin Melanie Vietmeier und Direktor Matthias Mühling.

Der Museumschef kann Lust machen auf einen „großen Gabriele-Münter-Raum mit vielen seit Langem nicht gezeigten Bildern“. Außerdem gibt es Neuerwerbungen von Morgner über Albert Bloch bis Emmy Klinker. „Wir machen nicht Blauen Reiter für Anfänger, wir machen Blauen Reiter für Fortgeschrittene“, so Mühling.

Erst im Frühling geht’s mit den Ausstellungen dieses Jahres los, allerdings ohne den Kunstbau, der bis 2027 saniert wird. Jetzt genießen kann man immer noch die wunderbare Schau über „Mensch – Natur – Kunst“ (bis Frühjahr 2027) und ein vielfältiges Panorama zur Gegenwartskunst (lange laufend), außerdem einen klugen Blick auf Haiti (bis 15. Februar) und auf die mal edlen, mal hinterkünftigen Arbeiten von Iman Issa (bis 12. April).

Ebenfalls ab März kommt endlich wieder ein Münchner Künstler der Gegenwart zum Zug. Franz Wanner ist ein intensiver Rechercheur, ein geschichtsbewusster Sucher – und eben bildender Künstler. Bei „Eingestellte Gegenwarten“ beschäftigt er sich mit der Zwangsarbeit in der NS-Zeit und Materialien, die wir als harmlos kennen, die aber von den Nazis für die Rüstung entwickelt wurden. Ab 12. Mai horcht Karin Althaus mit „Ferngespräch“ in eine aufregende Zeit hinein, und wir dürfen mitlauschen, was in der Weimarer Republik so los war.

Im Herbst (ab 27. Oktober) wendet das Museum der Stadt dann seinen Blick wieder nach Osteuropa. Was einst so nah war, sei durch die Zeit des Kalten Kriegs in die Ferne gerückt, so Museumschef Mühling. Darum erinnert man an die moderne polnische Künstlerin Maria Jarema (1908-1958), vielseitig aktiv von Skulptur über Grafik und Malerei bis zur Bühnenausstattung.

Sehr positiv ist die Bilanz für 2025, Kulturreferent Marek Wiechers nannte die Zahl von 300 000 Besuchern und hob die vielen Kooperationen des Hauses hervor. Letztere sind lebenswichtig für das Mitmachprogramm „Buntes Garten Ciao“. Ab 23. April gibt es für Jung und Alt gratis alles von der Performance bis zum Kaffeeklatsch. Ernst und bewegend dagegen am 22. Juli die Erinnerung an die jungen Münchnerinnen und Münchner, die ein Rechtsextremist vor zehn Jahren beim OEZ ermordete.SIMONE DATTENBERGER

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