Sportler auf dem Boulevard: Busse in „Das andalusische Mirakel“ in der Komödie (2007). © Schneider Press
„Anchorman“ bei RTL: Busse im Jahr 2002 mit (v. li.) Bernd Stelter, Rudi Carrell, Gabi Köster und Mike Krüger. © RTL
Durchbruch als Kabarettist: Jochen Busse (li.) mit Rainer Basedow und Bruno Jonas auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft (um 1981). Er blieb bis zum Jahr 1990. © Ursula Röhnert
„Wie kann man nur so verdammt viel Glück haben“: Jochen Busse blickt zufrieden auf sein Leben zurück. © SVEN SIMON
Er bezeichnet sich als Schauspieler, als reproduzierender Künstler also, doch gerade aus Münchner Sicht umweht Jochen Busse die Aura eines Menschen, der intensiv durchdacht hat, was er sagt. Schließlich ist der groß gewachsene Mann mit der herbstblonden Föhnfrisur eine lebende Legende aus den goldenen Zeiten der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Noch heute erinnern sich viele an den Typen im Anzug, der zwischen 1980 und 1990 im Schwabinger „Laden“ leidenschaftlich den Spießer und den Schnösel gab, ein Charakter, der auf ganz eigene, wunderbar gespreizte Weise die Texte seiner Autoren zum Leuchten brachte. Inzwischen ist Busse „nur noch“ als Schauspieler unterwegs, heute wird er 85.
Die Bühne war von klein auf das Ziel des Fabrikantensohnes aus dem nordrhein-westfälischen Iserlohn. In München begann der Schulabbrecher ohne einen Pfennig Geld in der Tasche als Statist an den Kammerspielen, schon bald machte er auch Kabarett, spielte an diversen deutschen Brettlbühnen, bevor ihn Lach- und Schieß-Chef Sammy Drechsel wieder an die Isar und ins Ensemble holte. Busse war endgültig in seinem Element, das Publikum liebte ihn für seine Theatralik. Im Rückblick gibt er sich bescheiden. Er sei ja kein Kabarettist „im eigentlichen Sinne“ gewesen, sagte Busse unserer Zeitung vor ein paar Jahren: „Ich war mehr der Spieler und hatte das Glück, mit Leuten auf der Bühne zu stehen, die auch gute Autoren waren, deshalb habe ich von deren Ruhm etwas abbekommen.“
Dass er mit den Autoren locker mithalten kann, bewies er Jahrzehnte später im Programm „Legende trifft Urgestein“ an der Seite von Henning Venske. Die besseren Pointen sicherte sich da stets Busse. Im Gegensatz zu vielen Kollegen seiner Generation wagte der Spielwütige irgendwann den Sprung in die Comedy, für die ARD-Reihe „Nur für Busse“ erntete er zunächst Kritik, was ihn sehr kränkte. „Unterhaltung ist in Deutschland ,bäh‘, jedenfalls fürs Feuilleton“, bilanzierte er vor einigen Jahren bitter in seiner Autobiografie „Wo wir gerade von belegten Brötchen reden“. Doch der Allrounder emanzipierte sich von der Kritik, wechselte Mitte der Neunzigerjahre zu RTL und moderierte dort den von Rudi Carrell produzierten Komikertreff „7 Tage, 7 Köpfe“. In „Das Amt“ gab er beim Kölner Privatsender außerdem einen cholerischen Bürohengst, eine Art frühen „Stromberg“.
Wer auf der Kabarettbühne und in Comedyserien so gerne Gas gibt, der liebt auch das (Boulevard-)Theater. Und so kann man Jochen Busse noch immer auf der Bühne sehen. Mit Stücken wie „Das andalusische Mirakel“, „Pantoffelpanther“ oder „Komplexe Väter“ gab und gibt er noch immer auch seiner einstigen Wahlheimat München die Ehre. Auch wenn er – ausgerechnet bei der Premiere des Stücks „Weiße Turnschuhe“ im Jahr 2024 in der Komödie im Bayerischen Hof – einen minutenlangen Blackout hatte.
Doch Busse, der sich mit Yoga fit hält, will noch nicht aufhören, steht auch heuer an vielen Abenden auf der Bühne. Die Fernsehreihe „Einspruch, Schatz“ mit Christine Urspruch, in der er den verschrobenen Vater der Protagonistin spielt, soll ebenfalls weitergehen. Die Lebensbilanz des Mannes, der nicht weniger als vier Ehen hinter sich hat („Ich bin jedes Mal davon ausgegangen, dass es hält!“) fällt positiv aus. „Ich habe keine schrecklichen Krankheiten gehabt, keine Pleite erfahren und musste in kein Dschungelcamp“, schreibt Jochen Busse in seinem Buch. Und resümiert: „Wie kann man nur so verdammt viel Glück haben.“RUDOLF OGIERMANN