PHILHARMONIKER

Leises und Lärmendes

von Redaktion

Hellwach an den Tasten: Lahav Shani dirigierte – und saß auch am Flügel. © Tobias Hase

Von Stéphane Mallarmé und Maurice Maeterlinck, den beiden großen Symbolisten, war das Abo-Konzert der Münchner Philharmoniker in der Isarphilharmonie geprägt. Claude Debussy ließ sich von der Wortmusik des französischen Dichters zum „Prélude à l’après-midi d’un faune“ inspirieren, und Arnold Schönberg schuf seine Symphonische Dichtung „Pelléas et Mélisande“ nach Maeterlincks gleichnamigem Schauspiel.

Nachdem Soloflötist Michael Martin Kofler das fragile, aber prägende Eröffnungsthema in den Saal geschickt hatte, wob das Orchester unter Lahav Shanis hellwacher Leitung einen zarten Schleier, der in weiten Bögen hereinwehte. Der Nachmittag des Fauns atmete dabei, selbst im Mittelteil, nicht die immanente Schwüle, bevorzugte stattdessen das schillernde, delikate Farbenspiel.

Mit ganz anderen Farben stattete Schönberg seinen Ausflug in die symbolistische Märchenwelt des Pélleas aus. Da war das Podium prall gefüllt mit einem Großaufgebot aus Holzbläsern und acht Hörnern, dazu vier Harfen und Schlagzeug. Der Zwölftöner gab sich in der 1902/03 entstandenen Symphonischen Dichtung noch ganz als Spätromantiker, der dem Monströsen, zuweilen auch Lärmenden nicht abgeneigt war. Gleichwohl faszinierte Schönbergs höchst differenzierte Instrumentierungskunst, der genau abgestimmte Einsatz der unterschiedlichen Hörner und Klarinetten, auch des Englischhorns und der solistisch eingesetzten Streicher.

Bewundernswert, wie sicher, ja entspannt Lahav Shani – ohne Partitur – die höchst motiviert agierenden Philharmoniker durch Schönbergs Dickicht lotste, den breiten Klangstrom souverän kanalisierte und dabei trotzdem die Feinheiten etwa von Englischhorn, Bratsche oder tanzender Flöte hörbar machte.

Zwischen Faun und Pélleas hatte er sich selbst ans Klavier gesetzt, um mit kleiner Besetzung Mozarts letztes Klavierkonzert B-Dur KV 595 zu gestalten. Weich, geschmeidig, dezent akzentuiert, mit feinen Pianissimi und leichten Trillern kündete es von heiterer Abgeklärtheit.GABRIELE LUSTER

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