Die Straßen einer Stadt können erfüllt sein von Melancholie, von Trauer, von Freude und von purer Wut. Bruce Springsteen hat bereits die melancholische Variante besungen – der Song „Streets of Philadelphia“ gewann 1994 einen Oscar. Jetzt hat der „Boss“ aus aktuellem Anlass „Streets of Minneapolis“ herausgebracht. Ein zorniges Lied. Ein Lied, in dem er Wut und Verachtung all jenen ins Gesicht spuckt, die Angst und Gewalt in die Metropole im US-Bundesstaat Minnesota gebracht haben: Präsident Trump und den ICE-Beamten, die für ihn die Kettenhunde spielen. Mit seinem Protest ist Springsteen nicht alleine: Neil Young, selbst prominenter Trump-Kritiker, hat seinen gesamten Musik-Katalog von der Plattform Amazon entfernt – weil sie Trump-Spezl Jeff Bezos gehört.
Springsteen hatte Trump schon während seiner letztjährigen Europatournee scharf attackiert. Unter anderem in Berlin beschwor er in seinen Ansagen „die gerechte Macht der Kunst, der Musik und des Rock’n’Roll“. Doch angesichts jüngsten Todesopfer in Minnesota greift er die Regierung und ihre Handlanger im neuen Song direkt an. Der 76-Jährige besingt „König Trumps Privatarmee“ in „Besatzerstiefeln“ und „Pistolen an ihren Mänteln“. Die Melodie des simplen Rocksongs erinnert an Bob Dylans „Desolation Row“, die Worte platzen aus dem Sänger heraus wie Patronen: „Oh Minneapolis, ich höre deine Stimme, die durch den blutigen Nebel schreit. Wir werden die Namen derer in Erinnerung behalten, die auf den Straßen von Minneapolis gestorben sind.“
„Ich habe diesen Song am Samstag geschrieben, gestern aufgenommen und ihn heute als Reaktion auf den Staatsterror in Minneapolis veröffentlicht“, schrieb Springsteen am Mittwoch auf Instagram. „Er ist den Menschen in Minneapolis, unseren unschuldigen Nachbarn mit Migrationshintergrund und Alex Pretti und Renee Good gewidmet.“ Der Sänger unterzeichnete den Beitrag mit den Worten: „Bleibt frei, Bruce Springsteen.“
Neil Young hat derweil ebenfalls nachgelegt: Er entfernt seinen gesamten Werkkatalog von Amazon, wie er auf seiner Plattform „Neil Young Archives“ schreibt: „Meine Musik wird niemals bei Amazon verfügbar sein, solange das Unternehmen Jeff Bezos gehört.“ Sein Werk, das man bei ihm als Stream abonnieren kann, stellt Young ab sofort allen Einwohnern von Grönland kostenlos zur Verfügung. „Ich hoffe, dass meine Musik und meine Musikfilme etwas von dem unbegründeten Stress und den Drohungen lindern können, die sie durch unsere unpopuläre und hoffentlich nur vorübergehende Regierung erleben.“
Auch Rapper und Schauspieler Ice-T hat genug. Laut eigener Aussage benannte er seinen Song „Cop Killer“ – der urprünglich die Polizeigewalt gegen Afroamerikaner thematisierte – in „ICE Killer“ um.JOHANNES LÖHR