UNSERE KURZKRITIKEN

Sperrig, aber gut

von Redaktion

Kristalloma hat das Lusthansa mit ihren eigenen Händen gebaut. Und ein surreales Zuhause geschaffen, in dem man über eine Rutsche vom ersten Stock ins Erdgeschoss gelangt, Astro-TV schaut und jenseits dessen lebt, was für den Rest der Welt Konvention ist. Das Lusthansa, ein Schwarzbau auf dem Kummerfeld am Rand der Stadt, war ein Lusthaus für Frauen. Nun ist es die Heimat von Kristalloma und ihrer familienähnlichen Gemeinschaft. Dann stellt die Stadt einen Abrissbescheid aus, und diese wilde, freie Parallelwelt ist in Gefahr. In „Sperrgut“ geht es um abseitige Lebensentwürfe, aber auch um das Recht auf Wohnraum. Schon vor dem Erscheinen hat Sophia Merwalds Debütroman Literaturpreise gewonnen. Die Sprache der jungen Autorin weicht vom Gewohnten ab, ihr Stil ist oft mehr Lyrik als Prosa. Erfrischend, bisweilen auch anstrengend. Als Leser muss man dafür offen sein. Wer erst einmal reinhören möchte: Am morgigen Samstag liest Sophia Merwald um 15 Uhr im Münchner Theatinerkino.KBK

Sophia Merwald:

„Sperrgut“. park x Ullstein, 304 Seiten, 22 Euro.


★★★★☆ Lesenswert

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