Ein Marathon zum Geburtstag

von Redaktion

Alexander Lonquich spielt in München alle Beethoven-Klavierkonzerte an einem Abend

Vom Klavier aus leitete Alexander Lonquich das Münchener Kammerorchester. © Florian Ganslmeier

Einen Beethoven-Marathon gönnte das Münchener Kammerorchester (MKO) sich und seinen Gästen zum 75. Geburtstag. Alle fünf Klavierkonzerte standen auf dem Programm, zu dem das MKO vom frühen bis zum späten Samstagabend in die Isarphilharmonie lud. Und das Publikum strömte in Scharen.

Pianist Alexander Lonquich trat locker und gut gelaunt den Parforceritt an, den er vor sieben Jahren schon einmal mit dem MKO gewagt hatte. Als Solist und Dirigent in Personalunion eröffnete er das Konzert chronologisch mit dem B-Dur-Konzert Nr. 2, das vor dem C-Dur-Konzert Nr. 1 entstand und nur später gedruckt wurde. Beide sind noch stark vom Geiste Mozarts und Haydns inspiriert. Dem spürten die Interpreten nach – impulsiv, mit starker Akzentuierung. Dabei gelang im mit Klarinetten, Trompeten und Pauke aufgerüsteten C-Dur-Konzert eine schöne Interaktion des Solisten mit den Holzbläsern.

Schade, dass Lonquich eine gewisse Unruhe und Zerrissenheit ins Geschehen brachte, weil er immer wieder aufsprang, um seine sowieso höchst motivierten Orchester-Kolleginnen und -Kollegen zu animieren und zu lenken. Kurze Impulse vom Klavierschemel aus hätten sicher genügt, zumal das Einvernehmen zwischen Ensemble und Solist vorzüglich war. Mit seinem einzigen Moll-Konzert, dem dritten in c-Moll, tritt Beethoven dann als Symphoniker auf, wobei der dramatische Impetus des Orchesters hier faszinierte. Immer noch leichthändig, gestaltete der Pianist die Korrespondenz mit dem Ensemble. So gelang ein inniges Largo, in das der Pianist sich versenken konnte.

Als markante Ereignisse ließen die Kadenzen am Ende der Sätze aufhorchen. Sie verdichten das Geschehen, sind Mini-Dramen, die Lonquich mit Intensität und Ausdruckskraft auflud. Zudem punktete er in Läufen, Arpeggien und Trillern, mit denen Beethoven diese Werke gespickt hat. Bemerkenswert auch das geschmeidige Spiel und der nuancenreiche Anschlag.

Voller Spannung, mit weit gespannter Phrasierung und aufwendiger Verarbeitung markieren die Konzerte Nr. 4 und 5 den Weg in die Romantik. Agogisch homogen, mit feinen Übergängen gelang das Allegro moderato (Nr.4), bevor Solist und Streicher den langsamen Satz fast gespenstisch wirken ließen. Im Rondo reizten sie den Kontrastreichtum aus und leuchteten es immer wieder neu aus. Beim effektvollen Abschluss mit dem fünften, in den Ecksätzen dramatisch auffahrenden Konzert wurden zarte Ermüdungserscheinungen hörbar, ohne die mitreißende, erhellende Gesamtleistung zu trüben. Jubel ohne Ende.GABRIELE LUSTER

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