INTERVIEW

„Ich war noch nie ein Nachtclub-Mensch“

von Redaktion

Im Vernau-Krimi löst Jan Josef Liefers einen Mord im Techno-Milieu – das nie seines war, wie er sagt

Der Ermittler unter Mordverdacht: Jan Josef Liefers hetzt im neuen Vernau-Krimi durch Berlins Kneipen. Im echten Leben haben er und seine Frau Anna Loos die Hauptstadt zum Heimathafen erkoren. © Klein, Gollnow / dpa

Millionen Zuschauer kennen ihn als verschrobenen Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne aus dem „Tatort“: Wenn Jan Josef Liefers gemeinsam mit Axel Prahl in Münster skurrile Fälle löst, schnellen die Zuschauerzahlen immer wieder auf Rekordhöhe. Doch Liefers verkörpert im Fernsehen noch eine zweite, völlig anders gestrickte Ermittlerfigur: Im ZDF spielt er seit zwölf Jahren den lässigen Anwalt Joachim Vernau, basierend auf den Bestsellerkrimis von Elisabeth Herrmann. In der neuen Folge „Der schwarze Schwan“ (heute, ZDF) gerät der Jurist selber unter Mordverdacht. Der 1964 in Dresden geborene Liefers ist mit der Schauspielerin Anna Loos verheiratet, das Paar hat zwei Kinder und lebt in Berlin.

Im neuen Vernau-Krimi erwacht der von Ihnen gespielte Anwalt neben einer Leiche und gerät unter Mordverdacht – ist dieser Beginn nicht etwas abgedroschen?

Also, ich weiß nicht, was Sie haben. Ich wache ständig neben Leichen auf, und immer ist es für mich aufregend wie beim ersten Mal.

Wie ein klassischer Film-Noir-Held muss Vernau seine Unschuld beweisen und fährt kreuz und quer durch die Hauptstadt. Ist Berlin der heimliche Star des Films?

Berlin ist vieles: eine alte, komische Dame, ein Kulturschmelztiegel, ein Versagerhaufen und ein echter Kultstar. Egal wo auf der Welt ich bin, keiner kennt den Bürgermeister, aber jeder kennt das Berghain. Es gibt Stories, die gibt‘s nur in Berlin.

Stichwort Berghain: Das Berliner Nachtleben spielt im Film eine Rolle. Sind Sie da noch oft unterwegs?

Tatsächlich war ich zu keiner Zeit ein Nachtclub-Mensch. Ich war anders unterwegs, lieber zu zweit oder mit einer Handvoll Freunden. In einer Horde lauter, fremder Menschen fühle ich mich besonders alleine.

Sie leben seit vielen Jahren in Berlin. Haben Sie und Ihre Frau Anna Loos mal daran gedacht, woanders hinzuziehen?

Bis jetzt nicht. Wir mögen Berlin und haben beide gute Gründe dafür. Mit den Jahren könnten wir auch noch mal was anderes ausprobieren, aber Berlin bleibt erst mal unser Heimathafen.

In einer Szene muss sich Vernau im Gefängnis beim Basketball beweisen. Wie halten Sie es mit dem Sport?

Im Kern bin ich ein fauler Kerl, aber Sport mag ich. Für Basketball bin ich leider zu kurz, aber Ballsportarten sind schon mein Ding. Ich mag Bewegung jeder Art, des Körpers, des Denkens, des Fühlens. Wenn man älter wird, braucht man öfter erfrischende Impulse von außen.

Im Film spielt die Berliner Technoszene der neunziger Jahre eine wichtige Rolle. Können Sie mit Techno etwas anfangen?

Ich war zeitlebens der Junge mit der Gitarre, meine Jugend-Heroes waren unter anderem Bob Dylan, Joan Baez, Pete Seeger, Joni Mitchell, Janis Joplin oder Simon and Garfunkel. Techno hat mich nicht berührt. Ich hab‘s versucht, aber auf mich wirkten damals alle in den Clubs entweder einsam oder unter Drogen oder beides. Eigentlich war Techno das Gegenteil von allem, was Musik mir bedeutete. Inzwischen bin ich da aber etwas offener geworden.

Wie haben Sie die Zeit damals in Berlin erlebt?

Gar nicht. In den Neunzigern hab ich in Hamburg, Düsseldorf und München gelebt. Erst 2000 bin ich mit meiner Frau Anna wieder in Kreuzberg gelandet. Adalbertstraße. Ungeschönt, und genau deshalb so schön.

Die Vernau-Reihe gibt es seit 2012. Hätten Sie Lust, da auch mal Regie zu führen, wie Sie es unter anderem beim Fernsehfilm „Honecker und der Pastor“ schon gemacht haben?

Regisseur ist ein ganz anderer Beruf als der des Schauspielers. Der wird oft unterschätzt, ist schwer zu fassen. Ein paar Mal habe ich bei Filmen die Regie gemacht, aber nur, weil kein anderer sich fand und die Filmgeschichte mir so wichtig war. Ich habe größten Respekt für den Regieberuf. Josef Rusnak, der die Vernau-Krimis seit Carlo Rolas Ableben glücklicherweise übernommen hat, kenne und schätze ich schon so lange, da würde ich nie dazwischen grätschen.

Artikel 2 von 11