Von geschönten Erinnerungen erzählt Colombe Schneck in ihrem neuen Roman. Die durch ihre autofiktionalen Werke bekannte Französin („Paris-Trilogie“) blickt in „Lügen im Paradies“ auf eine Kindheit zurück, die sich im Nachhinein als schöner Schein entpuppt. Als Mädchen verbrachte sie regelmäßig zusammen mit anderen Kindern ihre Ferien in einem Schweizer Chalet. Mit der Absicht, einen SchweizRoman zu schreiben, sucht Colombe als Erwachsene im Bergidyll nach den Spuren der Vergangenheit. Sie trifft frühere Freunde wieder und spürt die beiden Kinder des inzwischen verstorbenen Gastelternpaares auf. Diese sind in ihrem Leben auf tragische Weise gescheitert. Der gesamte Erziehungsstil im Chalet erscheint nun nicht mehr urwüchsig und authentisch, sondern brutal und autoritär. Diese ernüchternde wie spannende Reise zu einem falschen Paradies erzählt Schneck nicht linear, sondern assoziativ, so wie auch Erinnerung funktioniert. Kein harmloser Schweiz-Roman.SP
Colombe Schneck:
„Lügen im Paradies“; Rowohlt, 160 Seiten; 24 Euro.
★★★★☆ Lesenswert