An ihrem „Kokon“: Miriam Ferstl. © leic
Plötzlich ist der Betrachter ganz auf sich zurückgeworfen, auf die eigene Geschichte, auf eigene Gedanken, Gefühle, Erinnerungen. Dabei steht er in der Textilwerkstatt der Akademie der Bildenden Künste. Unter anderem die Arbeit „Kokon“ zeigt hier, was Kunst zu leisten imstande ist. Miriam Ferstl, Jahrgang 1986, hat „Kokon“ geschaffen, ein Werk, das Textilkunst, Malerei, Fotografie – und eben die Emotionen eines jeden Besuchers, einer jeden Besucherin – elegant und eindrucksvoll verwebt.
Zentrales Element ist ein weißer Körper mit Auswölbungen, der zu schweben scheint. Ein luftig-weiches Wesen aus einer anderen Welt. Wer indes näher tritt, erkennt Narben im Stoff, eingestickt von der Künstlerin und inspiriert von tatsächlichen Verletzungen: physischen und psychischen, von denen Ferstl sich hat berichten lassen. Ihr „Kokon“ zeigt also ein Dazwischen: zwischen Geborgenheit und Angst, zwischen Schmerz und Hoffnung. So wird Vergangenes, das jeder Mensch mit sich trägt (oder schleppt) sinnlich erfahrbar – und Ausgangspunkt einer Transformation. Denn in einem Kokon reift auf der Basis des Alten stets Neues heran.
Für ihr Werk hat Ferstl gerade das Diplom erhalten. Ihre Arbeit und die ihrer 79 Mitstudierenden sind jetzt in der Akademie zu sehen. Kunst für Morgen – mit dem Wissen um das Gestern. MICHAEL SCHLEICHER
Bis 10. Februar,
Fr., Mo., Di. 14-20 Uhr,
Sa./So. 12-20 Uhr; der Eintritt ist frei. Weitere Informationen online unter www.adbk.de.