„Erinnern heißt für mich: wachbleiben, zuhören und Verantwortung übernehmen“, sagt Iris Berben. Heute wird sie in Dresden für ihr Engagement geehrt. © Jens Kalaene/dpa
Sie ist eine Frau mit Meinung und Haltung: Schauspielerin Iris Berben. Die 75-Jährige setzt sich gegen das Vergessen des Holocaust ein – für Leitlinien des Handelns heute – und sagt: „Erinnern heißt für mich: wachbleiben, zuhören und Verantwortung übernehmen“. Beim Semperopernball in Dresden wird Berbenheute Abend mit dem Choros Award für ihren unermüdlichen Einsatz gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus geehrt. Neben ihrem politischen Engagement ist Iris Berben aber auch Publikumsliebling auf der Kinoleinwand. Ab 26. Februar ist sie in der Liebeskomödie „Ein fast perfekter Antrag“ von Marc Rothemund an der Seite von Heiner Lauterbach zu sehen.
Die aktuelle Weltlage erschüttert uns täglich – wie gehen Sie damit um?
Das Erschreckende ist, dass sich die Autokraten so vermehren. Man muss nach Gründen suchen. Wahrscheinlich sehnen sich Menschen anscheinend danach, dass andere ihnen sagen, wie das Leben stattfinden soll. Das ist insofern erschütternd, als dass wir über die vielen letzten Jahrzehnte gemerkt haben, was für ein wichtiges Instrument die Demokratie ist, in der wir alle mitbestimmen können. Wir dürfen die Menschen nicht verlieren, wir müssen sie an die Hand nehmen. Aber wenn man durch die Welt schaut, merkt man, wie verbreitet diese Entwicklung ist. Dennoch darf man nicht erstarren.
Das heißt: Zuversicht bewahren?
Man muss es!
Trotz aller Ängste?
Ja natürlich, man muss sich der Angst stellen. Man sieht ja, welche Entscheidungen getroffen werden, und wir sehen in Amerika jemanden, der sich fast diktatorisch die Welt untertan macht oder versucht, sich die Welt mit zwei anderen Mächten aufzuteilen. Ich glaube schon, dass wir an einem Scheidepunkt sind. Umso wichtiger ist der Widerstand mit guten Argumenten, der Austausch und Zusammenhänge zu erkennen.
Die Gesellschaft fällt zunehmend auseinander, viele können andere Meinungen gar nicht mehr aushalten…
Dieses merkwürdige „entweder oder“, „schwarz oder weiß“ – so ist die Welt nicht, so war sie auch nie! Ich glaube, das ist der Knackpunkt, dass viele Menschen diese einfachen Antworten wollen. Da muss jeder in seinem Umfeld, jeder wo er kann, dagegenhalten. Gerade die Kultur wäre da gefragt, das Verrückte ist aber, dass die Kultur durch Autokraten unterdrückt wird. Deshalb muss jeder Einzelne tun, was möglich ist: wachrütteln, den Finger in die Wunde legen, Alternativen und Gemeinschaft zeigen!
Europa müsste deutlich mehr Zusammenhalt zeigen.
Die Chance, die Europa hat, zerfällt immer wieder durch das Klein-Klein und die Eigeninteressen einzelner Länder. Es wird immer Einschnitte geben müssen und Kompromisse, doch dass wir als Europäische Gemeinschaft immer wieder so schnell einknicken, das ist bitter. Die EU wäre eine Kraft.
Und trotzdem bleiben Sie zuversichtlich…
Dazu gibt es keine Alternative. Das wäre aufgeben, und dann haben die anderen gewonnen. Weitermachen! Komplizen suchen!
Der Semperopernball
wird heute von 20.15 Uhr an live im MDR übertragen.