Waltraud (Martin Rassau, li.) und Mariechen (Volker Heißmann).
Das große Vorbild: Udo Jürgens. © dpa (2)
„Der singt nur?“: Volker Heißmann erstaunte – und begeisterte – mit der Big Band Thilo Wolf. © Jörg Heinrich
Allmächt, Udo Jürgens ist jetzt Franke! Der griechische Wein steckt im Bocksbeutel. Wobei, stimmt gar nicht: Natürlich vergreift sich Volker Heißmann bei seiner unterhaltsamen Udo-Show im vollen Deutschen Theater in München nicht an den heiligen Texten. Und er versucht gottlob gar nicht, das übergroße Vorbild zu imitieren – denn das würde garantiert schiefgehen. Stattdessen bietet „Volker Heißmann singt Udo Jürgens“ eine liebevolle Hommage mit viel Respekt und mit ein wenig „Merci, Marie“. Denn so heißt Heißmanns lustige Witwe Mariechen Bezold aus der „Fastnacht in Franken“ ja im richtigen Leben.
Gerade noch in Veitshöchheim auf der Showbühne – und vier Tage später als Udo Jürgens im Deutschen Theater. Diesen kulturellen Clash kriegt Volker Heißmann locker hin. Dass seine getreue Waltraud alias Martin Rassau an diesem Abend daheim in Fürth bleibt, sollte allen klar sein. Aber der multifunktionale Heißmann, Comedian, Musicalsänger, Theaterbetreiber und Präsident von Greuther Fürth in Personalunion, ahnt, was im Kopf einiger Herren im Publikum vor sich geht: „Das ist heut nur der eine? Und der andere ist nicht da? Und der singt nur?“
Stimmt fast. Meistens singt der eine, und zwischendurch erzählt er fränkische Gschichtla. Zum Beispiel die, dass er in seiner Jugend kein großer Udo-Fan war: „Ich hab progressivere Musik g’hört, ich war im Tony-Marshall-Fanclub.“ So gesehen hat er seinen Jürgens echt gut drauf. Wenn immer wieder die Sonne aufgeht, wenn es Ärger im ehrenwerten Haus gibt, oder wenn Volker Heißmann weiß, was er will, klingt sein Tonfall beinahe Udo-esk. Und der Frankenslang („Ein Frrremder wird zum Frrreund“) gehört eben zum Charme des Abends.
Heißmanns Fürther Jugendspezi Thilo Wolf sorgt mit seiner Big Band für einen feinen Sound zwischen Jazz und Swing, der erst gar keinen Vergleich mit den Originalen aufkommen lässt. Und die Songauswahl ist fabelhaft. Der Franken-Udo liefert keine abgedroschene Best-of-Hitparade, sondern poliert Juwelen wie „Illusionen“, das Jürgens für Alexandra schrieb, oder das sterbensschöne „Was ich dir sagen will, sagt mein Klavier“ neu auf.
Zwischendurch gibt’s immer wieder nette Schoten – zum Beispiel zum Klavier-Lied, dessen Text von Blacky Fuchsberger stammt. Heißmann verrät: „Der Blacky hat mir mal erzählt, dass Udo praktisch die Hälfte von seinem Haus in Grünwald bezahlt hat“, nur von den Tantiemen für diesen Text. Von einem Tête-à-Tête zwischen Udo und der sehr jungen Helene Fischer, das er miterlebt hat, ist der Sänger überzeugt: „In dieser Nacht ist Florian Silbereisen entstanden.“ Und so wird’s ein launiger Abend zwischen Ulk und Udo. Mit 56 Jahren ist für Volker Heißmann noch lang noch nicht Schluss.JÖRG HEINRICH