Voller Energie

von Redaktion

Biffy Clyro rocken furios im Zenith

Ausnahmsweise bekleidet bei Rock am Ring im vergangenen Jahr: Simon Neil. © Imago

Simon Neils nackter Oberkörper gibt an diesem Abend im Zenith die sportliche Richtung vor: Seine Alternative-Rockband Biffy Clyro hat sich mit ihrer unbändigen Energie den Ruf einer furiosen Live-Band erworben. Ein Aufwärmen ist deshalb für den Sänger nicht nötig, der das komplette Konzert über seinen tätowierten, später schweißnassen Torso präsentiert. In den Anfangstagen der Gruppe war dies dem Mangel an frischen Klamotten auf Tour geschuldet, inzwischen ist es ein Markenzeichen.

Auf der Bühne erweitert sich das klassische Trio um zwei Streicherinnen, eine zusätzliche Gitarre und ein Keyboard. Genau richtig für den Bombast-Rock, den die Schotten inzwischen zelebrieren. Gerade die Streicher geben vielen der Songs eine neue Klangebene. Eine zusätzliche Veränderung gibt es in der Besetzung des Trios: Der Bassist Ben Johnston ist wegen psychischen Problemen nicht auf der Tour dabei, ihn vertritt mehr als würdig Naomi Macleod. Diese übernimmt gleichzeitig viele Background-Gesänge und bereichert die Lieder mit einer femininen Note. Die Fans unterstützen sie dabei lautstark und textsicher.

Bekannt geworden sind die Schotten vor allem durch ihre Vielzahl an Powerballaden, die sich durch ihre Alben der vergangenen Jahre ziehen. Herzschmerz-Songs mit Ohrwurm-Qualität, wie „Space“ und „Goodbye“, werden auch live gespielt. Dazu gibt es schräg instrumentierte und vertrackte Rocknummern als Kontrast. Die Schotten zeigen zudem, dass es keine opulente LED-Leinwand für ein besonderes Konzert-Erlebnis braucht. Stattdessen hat jeder Song eine abgestimmte Lichtshow mit Stroboskop und Laser, die derart bombastisch und gleißend ausfällt, dass man immer wieder die Augen schließen muss.

Höhepunkte bleiben aber viele der ruhigen Momente, wie die intime Akustik-Version von „Machines“ mit einer Violine als Unterstützung, bei der Lagerfeuer-Romantik aufkommt. Die letzte Powerballade „Many of Horror“ beendet den Abend. Simon Neil schreit zum Abschied „Wir sind…“, und die Fans grölen begeistert mit: „Biffy fucking Clyro!“MICHAEL HELLSTERN

Artikel 8 von 11