Der stille Star

von Redaktion

Timothée Chalamet über Ruhm und seinen neuen Film „Marty Supreme“

Mit Taylor Russell in „Bones and all“. © Drakoulidis/Metro

„Mein hundertprozentiger Fokus liegt bei meiner Kunst“, sagt Timothée Chalamet. Trubel um seine Person blendet er aus. © HARRISON/afp

Er gab zu, enttäuscht gewesen zu sein, als er im vergangenen Jahr keinen Oscar für seine Rolle als Bob Dylan gewann. In diesem Jahr bekommt Timothée Chalamet erneut die Chance, sich seinen Karrieretraum zu erfüllen. Er gilt in seiner Rolle als höchst unsympathischer Tischtennisspieler in „Marty Supreme“ (kommt bei uns am 26. Februar in die Kinos) als Favorit in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ – zu Recht, findet der an sich eher bescheidene 30-Jährige. Seine Darstellung als egozentrischer Schuhverkäufer Marty Mauser, der mit allen Mitteln Weltmeister im Tischtennis werden will, sei wahrscheinlich seine „beste Leistung als Schauspieler“.

Wie viel Timothée steckt in Marty?

Er ist mir ähnlicher als alle anderen Rollen zuvor. Ich sage das mit einer gewissen Vorsicht, weil Marty in vieler Hinsicht kein besonders bewundernswerter Charakter ist.

Er ist ein Egoist, der andere um sich herum nur als Mittel zum Zweck sieht.

Das stimmt. Aber er ist extrem zielstrebig. Und genau das war für mich die größte Verbindung zu Marty: dieser eiserne Wille und der Drang, dahin zu kommen, wo man beruflich hinwill und ein „Nein“ nicht zu akzeptieren. Gerade in der Filmbranche erlebt man am Anfang unglaublich viel Ablehnung und du bist oft der Einzige, der an dich glaubt.

Wie fühlt es sich an, wenn plötzlich der Erfolg da ist?

Als meine Karriere wirklich abhob, fühlte es sich an, als hätte man mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Man ist wie in einem Wirbelsturm und nicht wirklich geerdet. Bis ich erkannt habe, welch ein Geschenk für mein Leben es ist, als Schauspieler auf höchstem Niveau arbeiten zu dürfen. Seither habe ich es gemeistert, all den Trubel in meinem Leben auszublenden und mich ganz auf meine Rolle zu fokussieren. Darauf bin ich sehr stolz.

Sie stehen im Rampenlicht. Wie blendet man das aus?

Ganz konkret: Beim Arbeiten ist mein Handy aus und ich werde ganz und gar zu meinen Rollen. In „Marty Supreme“ war ich zwei Monate lang Marty Mauser. Als ich Bob Dylan gespielt habe, war ich zwei Monate Bob Dylan. Warum also nicht alles geben und alles andere radikal wegschieben? Ausruhen kann ich mich später.

Waren Sie schon vor den Dreharbeiten ein guter Tischtennisspieler?

Ich habe viel trainiert. Die Ballwechsel, die im Film zu sehen sind, sind alle einstudiert. Es war wie eine Tanzchoreografie, die ich über drei Monate lernen musste.

Mit gerade mal 30 Jahren haben Sie bereits viel als Schauspieler erreicht. Welche Träume haben Sie?

Ich hoffe, ich bekomme weiterhin die Chance, solch großartige Filme wie zuletzt zu drehen. Und ich hoffe sehr, dass ich die Energie dafür aufbringen kann. Ich weiß, 30 ist noch jung. Doch um ehrlich zu sein, ich bin nicht sicher, wie viele solcher intensiven Projekte ich noch stemmen kann.

Denken Sie ans Aufhören?

Nein! (Lacht.) Ich gehe nicht in den Ruhestand. Ich will alles, was möglich ist, mitnehmen.

Denken Sie trotzdem manchmal mit einer gewissen Nostalgie an Ihre unbeschwerten Jahre als Nobody zurück?

Ja, ab und an. Aber dann frage ich mich: „Will ich das wirklich noch mal erleben?“ Und beantworte mir die Frage selbst mit „Eigentlich nicht!“. Diese Phase ist vorbei und ich bin heute deshalb der, der ich bin.

Spüren Sie als Schauspieler Ihres Kalibers eine Verantwortung, sich zu Themen wie Politik oder Gesellschaft zu äußern?

Mein hundertprozentiger Fokus liegt auf meiner Kunst. Alles andere wäre unehrlich. So wie Bob Dylan will ich kein moralischer Kompass sein. Ich bin Schauspieler. Sich selbst größer zu sehen und wichtiger zu machen, wäre für mich seltsam.

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