Konventionell, aber unterhaltsam

von Redaktion

Elsa-Sophie Jach inszeniert „Automatenbüfett“ im Marstall des Residenztheaters

Ein Ereignis auf der Bühne: Anna Drexler. © Birgit Hupfeld

Menschen sind auch nur Automaten. So wie die berechenbaren und berechnenden Kleinstadt-Honoratioren vom Stammtisch in Frau Adams Automatenbüfett. Aber nicht nur Oberförster, Schulrat, Apotheker funktionieren nach dem Mechanismus egoistischer Vorteilsnahme; sondern auch der junge verschuldete „Zimmerherr“, der Herrn Adam die verhärmte Gattin ausspannt, weil die ein bisschen Kohle hat.

Bei dieser Botschaft bleibt Anna Gmeyners bitter-biedere Provinzposse „Automatenbüfett“ (1932) aber nicht stehen. Vielmehr tritt in Gestalt der rätselhaften Eva eine fast christlich anmutende Gegenfigur zur habgierigen Spießertruppe auf. Eigentlich wollte sie sich im Fischteich ertränken, weil ihr Geliebter, ein Dichter und Staubsaugervertreter, sie verlassen hat. Aber Herr Adam, der Hobbyangler, fischt Eva raus, und als charmante Kellnerin erhöht sie dann den Umsatz vom Automatenrestaurant.

Dessen Ungemütlichkeit wird durch einen Riesentisch aus Mahagoni-Imitat verdeutlicht, der als sperrige abschüssige Ebene fast die ganze Spielfläche des Marstalltheaters ausfüllt (Bühne: Bettina Pommer). Das Bier fließt in Strahlen aus der Neonbeleuchtung an der Decke in die Krüge, und natürlich geht in diesem Ambiente alles schief, was die Schildbürgerpersonage anpackt.

Dass diese Spießer-Satire der lange vergessenen Anna Gmeyner (1902-1991) in der Nachfolge Ödön von Horváths steht, merkt man an Sätzen wie: „Der Automat, der unterscheidet nicht zwischen einem Menschen und einem Individuum.“ Aber obwohl das Stück teils amüsant wirkt, bleibt es konventionell, ja fast selbst automatenhaft. Wenn der (relativ lange) Abend trotzdem unterhaltsam ist, liegt das an spielfreudigen Akteuren und der pointierten Regie von Elsa-Sophie Jach. Das wirkliche Ereignis ist aber einmal mehr Anna Drexler als Eva, die allen egoistischen Ungeist der anderen durch ihr lauteres Wesen konterkariert. Die muntere Melancholie und elegische Komik dieser Ausnahmeschauspielerin scheint stets von einem inneren Strahlen getragen, das kein Automat je imitieren kann. Langer Applaus.A. ALTMANN

Weitere Aufführungen

am 21. Februar und 13. März;
Telefon 089/21 85 19 40.

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