Ein Soldat meuchelt wehrlose Zivilisten. © fuad_alymani
Alymani nutzt antisemitische Klischees. © fuad_alymani
Alymanis Weltgemeinschaft mit Schweinsköpfen.
Fuad Alymani malt Kafka – Posting des Habibi-Kiosk der Kammerspiele. © Habibi_Kiosk
Barbara Mundel im Schauspielhaus der Kammerspiele. Zur Kooperation mit Fuad Alymani will sich die Intendantin in einem „vollständigen Wortlaut-Interview“ äußern. © Schlaf
Es sind antisemitische Bilder. Die Gemälde bedienen etwa das antisemitische Klischee von Juden als „Kindermörder“, von Juden als „Jesus-Mörder“ (dieser trägt eine Kufiya als Lendenschurz). Andere Arbeiten zeigen die Weltgemeinschaft als Schweine an einem offenen Grab oder einen Soldaten (wohl der israelischen Armee), der mit der Sichel Zivilisten angreift, die mit verschränkten Armen und gesenkten Köpfen dastehen. Unter jenem Bild vom 15. November 2023, das einen Säugling in Ketten in seinem Bettchen zeigt, derweil mehrere Waffen auf das Kind gerichtet sind, steht: „Is a caption needed?“. „Braucht es eine Bildunterschrift?“ Dazu unter anderem der Hashtag #freepalestine.
Diese und andere Gemälde hat Fuad Alymani gemalt, der 1996 in Ramallah im Westjordanland zur Welt kam. Man tritt Alymani nicht zu nahe, wenn man schreibt, dass er Israel hasst und seine Arbeiten antisemitisch sind. Seine Social-Media-Aktivitäten sprechen eine Sprache, die nicht missverstanden werden kann. Auf Instagram, wo er seine Werke postet, veröffentlichte er im vergangenen Dezember unter anderem eine Landkarte, auf der „Palestine“ statt des jüdischen Staates verzeichnet ist.
Fuad Alymani war ein Kooperationspartner der Münchner Kammerspiele. Israels Generalkonsulin Talya Lador-Fresher warf der städtischen Bühne erst heuer im Januar „IsraelBashing“ vor (wir berichteten). Alymanis Arbeiten sind sehr viel mehr als das, sie sind zweifelsfrei antisemitisch.
Die Zusammenarbeit zwischen der städtischen Bühne und dem Maler fand im November 2024 statt, also zu einem Zeitpunkt, als Alymanis Bilder online längst öffentlich einsehbar waren. Damals war eine Abordnung der Kammerspiele nach Prag gereist, um an den 100. Todestag von Franz Kafka zu erinnern. Es waren vorwiegend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „Habibi Kiosk“. Er ist das „durchlässige Fenster in die Kammerspiele“ an der Maximilianstraße, wie es auf der Theater-Homepage heißt.
Fuad Alymani wurde damals beauftragt, im Rahmen der Feierlichkeiten ein Porträt des jüdischen Schriftstellers (1883-1924) zu malen. Nach dem Fest bedankten sich die Kammerspiele via Instagram bei allen Beteiligten, namentlich auch bei Alymani. Auf dem Habibi-Kiosk-Kanal schwärmten die Verantwortlichen etwa: „It was truly a night to remember.“ („Es war wahrlich eine unvergessliche Nacht.“) Kein Wort findet sich hier zum Antisemitismus in Alymanis Schaffen.
Lange Zeit war das Münchner Theater die einzige Kulturinstitution eines demokratischen Landes, die zu den Abonnenten des Malers bei Instagram zählte. Inzwischen ist das Haus zumindest mit seinem Hauptaccount Alymani entfolgt; lediglich der Habibi-Kiosk zählte gestern Vormittag noch zu seinen Followern.
Die Kooperation in Prag wirft Fragen auf. Vor allem natürlich politische, auch künstlerische, aber nicht zuletzt ganz profane. Zum Beispiel diese: Wie hoch war das Honorar, das Fuad Alymani für seine Arbeit erhalten hat? Und wurde er aus dem Etat der Münchner Kammerspiele bezahlt? Ist also möglicherweise Steuergeld an einen Künstler geflossen, der antisemitische Bilder malt und das Existenzrecht Israels leugnet?
Barbara Mundel, die Intendantin der Münchner Kammerspiele, wollte sich gestern nicht zu diesen und anderen Fragen im Rahmen dieses Artikels äußern. „Frau Mundel spricht gern über dieses Thema, jedoch nur in einem vollständigen Wortlaut-Interview“, lässt sie durch ihre Sprecherin mitteilen. Auch das Kulturreferat lässt ausrichten, dass eine Antwort „frühestens“ am Mittwoch möglich sei. „Wegen Kehraus.“MICHAEL SCHLEICHER