„So sieht Aufarbeitung nicht aus“

von Redaktion

Mona Fuchs (Grüne) und Michael Dzeba (CSU) kritisieren die Münchner Kammerspiele

Mona Fuchs, Franktionschefin der Grünen. © Andreas Gregor

Barbara Mundel, Intendantin der Kammerspiele. © M. Schlaf

Michael Dzeba, CSU-Stadtrat. © WWW.FOTO-SCHWABING.DE

Die Münchner Kammerspiele an der Maximilianstraße: Aus dem Stadtrat kommt Kritik zum Umgang des Hauses im Fall des Malers Fuad Alymani. Der Künstler bedient in einem Teil seiner Werke antisemitische Stereotype. © Marcus Schlaf

Die Diskussion um die Kooperation zwischen den Münchner Kammerspielen und dem Maler Fuad Alymani bei einem Festival in Prag im November 2024 hat den Münchner Stadtrat erreicht. Wie berichtet, nahm die städtische Bühne mit ihrem Habibi-Kiosk an einem Festival zu Ehren Franz Kafkas teil; Alymani malte dort ein Porträt des jüdischen Schriftstellers (1883-1924). Bereits damals war jedoch öffentlich einsehbar, dass der Maler, der 1996 in Ramallah im Westjordanland zur Welt kam, in seinen anderen Arbeiten antisemitische Stereotype bedient. So zeigt er Juden etwa als „Kindermörder“ und „Jesus-Mörder“.

Münchens Kulturreferent Marek Wiechers hat deshalb von den Kammerspielen „bei künftigen Kooperationen eine deutlich größere Sorgfalt“ gefordert (wir berichteten). Intendantin Barbara Mundel ließ in einer Pressemitteilung erklären, dass Antisemitismus an ihrem Haus keinen Platz habe. Weiter heißt es dort: „Sowohl künstlerisch als auch diskursiv setzen wir uns unideologisch mit Fragestellungen der Gegenwart auseinander. Debatten über komplexe Themen werden hier geführt, Kontroversen ausgehalten – das gehört zur programmatischen DNA unseres Hauses. Alle Projekte sind von dieser Überzeugung getragen.“

Ein Standpunkt, für den Mona Fuchs kein Verständnis hat: „Wer, wie die Kammerspiele, Antisemitismus zur bloßen Kontroverse im Kunstbetrieb erklärt, verkennt völlig, dass es sich nicht um eine ästhetische Debatte, sondern um eine klare Grenze handelt, die ein öffentlich finanziertes Haus aktiv ziehen und durchsetzen muss“, erklärt die Vorsitzende der Stadtratsfraktion von Grünen/Rosa Liste.

Die Politikerin kritisiert zudem die Kommunikation des Theaters, nachdem die Zusammenarbeit mit Alymani öffentlich geworden war: „Statt inhaltlicher Aufarbeitung antworten die Kammerspiele auf berechtigte Kritik mit Kontextverschiebung, Erfolgserzählungen und dem Verweis auf eine vermeintliche Streitkultur – blenden dabei jedoch frühere Vorfälle, problematische Kooperationen und berechtigte Kritik aus jüdischen Communitys vollständig aus“, sagt Fuchs und ergänzt: „So sieht Aufarbeitung nicht aus – sie beginnt mit Selbstkritik, Transparenz und der ernsthaften Auseinandersetzung mit wiederholten Vorfällen.“ Zwar gebe es auch „glaubwürdige antisemitismuskritische Ansätze“ am Haus, räumt die Grünen-Politikerin ein, Haltung zeige sich jedoch nicht „in einzelnen Formaten, sondern in der konsequenten Bereitschaft zur Selbstprüfung und zur transparenten Auseinandersetzung mit Kritik“.

Auch in der CSU-Stadtratsfraktion stößt man sich am Umgang des Theaters mit dem Auftritt in Prag: „Ich kann gut verstehen, dass den Kammerspielen die Verbindung mit Alymani jetzt unangenehm wird“, sagt Michael Dzeba. „Aber einfach auf seine unbedenkliche Arbeit in Prag zu verweisen, reicht nicht aus. Der Rest seines Werkes ist damit nicht zu entschuldigen, und Stadtpolitik und Stadtgesellschaft müssen erwarten können, dass die Kammerspiele so etwas im Blick haben.“

Dzeba ist der religionspolitische Sprecher seiner Fraktion und engagiert sich für den interreligiösen Dialog: „Mit Künstlern, die antisemitische Bilder produzieren, darf es keine Zusammenarbeit geben – Punkt. Diese Klarheit in der Bewertung hätte ich mir auch in der Reaktion von Frau Mundel gewünscht.“MICHAEL SCHLEICHER

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