Multitalent: Sabin Tambrea (41). © DOROTHEE FALKE
„Natürlich geht eine gewisse Bedrohlichkeit von der Figur aus“: Sabin Tambrea als Quito in „Oderbruch“. Ab heute ist die zweite Staffel in der ARD-Mediathek zu sehen. © Huck/Degeto
Skrupellose Blutsauger, die seit Jahrhunderten im Osten Brandenburgs Angst und Schrecken verbreiten – die Vampirsaga „Oderbruch“ war 2024 die mit Abstand erfolgreichste Serie in der ARD-Mediathek, jetzt startet die zweite Staffel. Neu mit dabei ist Sabin Tambrea, der in den sechs Folgen des Mysterythrillers (ab heute in der Mediathek, ab Sonntag nach dem „Tagesthemen“ linear im Ersten) einen rätselhaften Vampirfürsten spielt. Der 41-Jährige hat rumänische Wurzeln und machte in Deutschland als musikalisches Wunderkind Karriere, bevor er eine Schauspielausbildung absolvierte. Einem größeren Publikum wurde er als Märchenkönig im Kinofilm „Ludwig II.“ bekannt, eine Hauptrolle spielte er auch in der „Ku‘damm“-Saga des ZDF.
Ihre Familie stammt aus Transsylvanien, jetzt spielen Sie einen Vampir. Kurioser Zufall?
Ich muss ehrlich sagen: Mit 40 Jahren einen Vampir zu spielen, finde ich reichlich spät angesichts all dessen, was ich mitbringe und was mich empfiehlt für eine solche Rolle. Neben meiner rumänischen Herkunft sagt man mir zum Beispiel oft eine extreme Blässe nach. (Lacht.) Übrigens habe ich dieses Jahr nicht nur einen Vampir gespielt, sondern sogar zwei: Ich habe soeben einen Kinofilm abgedreht, in dem ich einen todessüchtigen Vampir verkörpere.
Waren Sie jemals auf den Spuren des Dracula-Mythos in Rumänien unterwegs?
Nein, war ich nicht. In Rumänien war der Dracula-Stoff, wie ihn Schriftsteller Bram Stoker berühmt gemacht hat, bis vor ein paar Jahren auch nicht wirklich bekannt. Als ich in meiner Kindheit die Sommerferien in Rumänien verbracht habe, ist der Tourismus noch nicht so sehr auf das Thema angesprungen wie jetzt. Heute ist es dagegen rund um Schloss Bran, was ja als das Dracula-Schloss hingestellt wird, extrem touristisch, und das reizt mich nicht.
Die erste „Oderbruch“-Staffel hatte 2024 annähernd 13 Millionen Abrufe in der Mediathek. Worin sehen Sie das Erfolgsgeheimnis?
Es wurde ja erst relativ spät in der Serie deutlich, dass es um einen Vampirstoff geht, es begann zunächst als mysteriöser Krimi. Das fand ich klug gemacht, denn bekanntlich hat das deutsche Publikum eine große Leidenschaft für Kriminalgeschichten und auch eine Neugier für solche Stoffe. Vielen wurde erst nach und nach bewusst, dass es hier eine übernatürliche Komponente gibt. Jetzt, wo dieser Punkt gesetzt ist, entfaltet sich die Geschichte in der zweiten Staffel noch mal ganz anders. Aus der lokal im Oderbruch verankerten Handlung entwickelt sich eine Geschichte, die an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt spielt.
Wie spielt man eigentlich einen Vampir?
Natürlich geht eine gewisse Bedrohlichkeit von der Figur aus. Davon abgesehen spiele ich den Vampir im Grunde genauso wie einen Menschen, nur dass er eine Sorge weniger hat – er muss sich kaum Gedanken über den Tod machen. Aber er hat dadurch natürlich andere Probleme, nämlich dass er das, was er fürs längere, womöglich ewige Leben benötigt, irgendwie besorgen muss – Blut! Das Grundproblem von allen Vampiren, wie man sie aus Film und Literatur eben kennt. (Lacht.)
Vampire haben oft Superkräfte – sie sind enorm stark, schnell oder können sich verwandeln. Was wäre Ihre liebste Superkraft?
Gerade in der heutigen Zeit hätte ich gerne die Fähigkeit, Menschen, die rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich sind, wieder für die Vernunft zu gewinnen. Es bringt mich momentan zur Verzweiflung, dass Meinungen und Gefühle wichtiger als Fakten sind. Ansonsten wäre meine Superkraft ein echter Klassiker: Fliegen zu können, wäre toll.
In Ihrer frühen Jugend hatten Sie, wenn auch keine Superkraft, so doch eine besondere Begabung. Mit der Geige haben Sie bei „Jugend musiziert“ erste Plätze belegt. Warum sind Sie dann doch lieber Schauspieler geworden statt Berufsmusiker wie Ihre Eltern?
Ich war extrem aufgeregt vor Auftritten mit der Geige, und meine Eltern haben darin eine Bühnenangst vermutet, eine Art Lampenfieber. Sie haben mich in den Kinderchor gesteckt, damit ich mich an das Auftreten vor Publikum gewöhne. Dabei habe ich gemerkt, dass ich ohne Geige in der Hand absolut souverän und ruhig bin. Vor Publikum zu stehen ist nicht das Problem, sondern der Fakt, von Reflexen in meinen Fingern abhängig zu sein. Als Schauspieler auf der Bühne habe ich die absolute Freiheit gespürt. Ich musste mich nur noch dafür entscheiden, das zu meinem Lebensinhalt zu machen. Das hat auch Mut gebraucht.
Wieso Mut?
Ich konnte nicht glauben, dass ein Beruf, der so viel Spaß macht, keine Kehrseite hat. Dass er doch eine hat, habe ich später irgendwann gemerkt: Es gibt keine soziale Absicherung, nur drei Prozent aller Schauspieler können von diesem Beruf leben, man ist am laufenden Band mit der absoluten Unsicherheit konfrontiert. Wenn es mal nicht läuft, braucht man einen Plan B.
Haben Sie deshalb auch angefangen, Romane zu schreiben?
Ich hatte unglaublich viel Glück als Schauspieler, ich darf fantastische Rollen spielen, und das kontinuierlich. Aber auch wenn man zwei Filme im Jahr spielt, hat man dennoch viele Monate im Jahr frei. Aber ich muss mich kreativ betätigen, um im Gleichgewicht zu bleiben. Ich möchte nicht abends dasitzen und denken: Heute hast du nichts geleistet.