Die Beziehung zwischen Flüssen und Menschen ist eng. In Hiroshi Abes Kinderbuch „Yoake“ („Dämmerung“) campiert ein Mann am Ufer eines Stroms. © Internationale Jugendbibliothek
Rein in die Gummistiefel! Auch eine Angel und ein Schlauchboot hat Kuratorin Katja Wiebe im Foyer der Internationalen Jugendbibliothek (IJB) auf Schloss Blutenburg für alle Abenteuerlustigen bereitgestellt. Kleine und große Gäste können also einfach losschippern: „Am großen Strom“ entlang. Ja, die neue Ausstellung des Hauses ist ein spritziges Vergnügen – und ein lehrreiches obendrein.
Flüsse prägen unsere Welt. Amazonas, Donau, Mekong, Mississippi, Murray oder Nil durchziehen die Kontinente, gestalten die Landschaft, ernähren und transportieren Menschen, markieren Grenzen. Sie sind aber auch (ob mächtig groß oder eher überschaubar ruhig) Teil von Erzählungen, von Mythen, Geschichten – und von Bilderbüchern.
Wie Autorinnen und Autoren, Illustratorinnen und Illustratoren die Geschichten rund um das strömende Nass für die Jüngsten aufbereiten, zeigt diese Ausstellung anhand großformatiger Reproduktionen aus Publikationen, die in den vergangenen 16 Jahren erschienen sind.
Es ist eine wunderschöne, thematisch klug gebaute Schau, die im Foyer entspringt, sich durchs Treppenhaus windet, den einstigen Wehrgang des Schlosses entlangströmt und schließlich im Lesesaal anbrandet, wo nochmals ganz in Ruhe nachgeblättert werden kann. Kuratorin Wiebe hat „Am großen Strom“ auch als Reise durch die Welt konzipiert – mit Beispielen aus Australien, Belgien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Georgien, Japan, Indien, Italien, Kolumbien, Korea, Nordmazedonien, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Slowakei, Spanien, Taiwan, den USA und Vietnam. Unterschiede und Gemeinsamkeiten beim Blick des Menschen auf den Fluss – und seinem Umgang mit dem Wasser – werden dadurch schön nachvollziehbar. Außerdem ermöglicht Wiebes Ansatz eine Begegnung mit unterschiedlichen künstlerischen Umsetzungen der Geschichten. Klar, dass hier viel fließendes Aquarell zu sehen ist, aber auch Tuschezeichnungen, Collagen und fotorealistische Techniken sind versammelt.
Thomas Müllers „Flusswanderung“ etwa dokumentiert genau die Flora und Fauna. Die portugiesische Illustratorin Yolanda Mosquera dagegen findet poetische, schwebende Bilder zur Illustration der Kindheitserinnerungen des Literaturnobelpreisträgers José Saramago (1922-2010). „O silêncio da água“ („Die Stille des Wassers“) heißt ihr Bilderbuch.
Flüsse sind bedrohte Schätze, auch das macht diese Ausstellung für alle Menschen ab fünf Jahren klar. Und Flüsse sind wunderbare Metaphern für den Fortgang des Lebens. Ihr Anblick lässt nicht nur Menschen philosophisch werden, sondern auch Hausen. Er ist der größte Fisch in der Donau und stellt im slowakischen Bilderbuch „Dunaj – magická rieka“ („Donau – ein magischer Fluss“) von Simona Smatana fest: „Ich schwimme nie zweimal im selben Fluss.“ Wir sehen es – und staunen.MICHAEL SCHLEICHER