Zwischen Romantik und „Fluch der Karibik“

von Redaktion

Olga Scheps spielt kommende Woche in der Isarphilharmonie ein Klavierkonzert von David Garrett

„Es ist ein sehr energisches Stück“, sagt Olga Scheps. Am 24. Februar führt sie es mit den Münchner Symphonikern auf. © Thomas Rabsch, Jens Hartmann

Ihren großen Durchbruch feierte Olga Scheps mit ihren feinsinnigen Chopin- oder Schubert-Interpretationen. Neben den Klassikern des Repertoires widmet sich die Pianistin aber ebenso regelmäßig der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. So auch am 24. Februar in der Isarphilharmonie, wo mit „One World“ ein Klavierkonzert aus der Feder von John Hayward und David Garrett auf dem Programm steht.

Wie kam der Kontakt zu David Garrett zustande? Gab es schon gemeinsame Auftritte oder haben Sie ihn erst als Komponist kennengelernt?

Wir haben uns damals bei der ECHO-Verleihung kurz getroffen, sind aber nicht wirklich in Kontakt geblieben. Das ist in unserer Branche nicht ungewöhnlich. Aber trotzdem verfolgt man natürlich die Karrieren der Kollegen. Und als dann plötzlich die Anfrage kam, ob ich dieses Konzert uraufführen will, habe ich mich sehr darüber gefreut.

Garrett meinte selbst, es sei ein logischer Schritt gewesen, für ein anderes Instrument zu schreiben – um als Komponist wahrgenommen zu werden und nicht nur als Interpret. Konnte er sich als gelernter Geiger ins Klavier einfühlen?

Es gibt viele Komponisten, die für Instrumente geschrieben haben, ohne sie selbst zu spielen. Auch Dvořák zum Beispiel. David ist vor allem ein Musiker und hat auch Komposition und Dirigieren studiert. Das darf man nicht vergessen. Außerdem sind er und John Hayward ein gut eingespieltes Team, das schon oft zusammengearbeitet hat. Und das merkt man dem Konzert auch an.

Wie würden Sie diese Musik beschreiben?

Es ist ein sehr energisches Stück, das ich als Interpretin unglaublich spannend finde. Für mich bewegt es sich stilistisch zwischen den Klavierkonzerten von Rachmaninow und dem „Fluch der Karibik“. Gerade im zweiten Satz höre ich aber auch Anklänge an Clara Schumann, mit der ich mich sehr intensiv beschäftigt habe. Aber das ist vielleicht nur mein persönliches Empfinden.

Was genau erinnert Sie an Clara Schumann?

Sie hat in ihrem eigenen Klavierkonzert eine sehr ungewöhnliche Lösung für den zweiten Satz gefunden und eine Art Duett zwischen Cello und Klavier geschrieben. Etwas ganz Ähnliches hören wir jetzt auch bei David Garrett und John Hayward.

Waren Sie schon während der Entstehung involviert oder hat man Ihnen gleich die fertige Partitur überreicht?

Es ist immer ein großer Unterschied, wenn man mit den Komponisten sprechen kann. Das eine ist, wie man sich den Klang vorstellt. Aber es dann wirklich zu hören, war noch einmal etwas ganz anderes. Sowohl für mich als auch für die beiden. Und da hat sich schon noch die eine oder andere Sache verändert, weil in der Praxis neue Ideen kommen.

Geben Ihnen solche Erfahrungen mehr Freiheit für die Annäherung an Komponisten vergangener Zeiten?

Absolut! Etwas Ähnliches habe ich nämlich auch schon mit Arvo Pärt erleben dürfen. Wenn ich Mozart oder Beethoven spiele, kann ich nur mit dem arbeiten, was sie uns hinterlassen haben. Da sollte man natürlich immer schauen, was es an Informationen über die Stücke gibt. Aber am Ende muss man auf die eigene Musikalität und seine Intuition vertrauen. Nur so wird es authentisch.

Der angesprochene Spagat zwischen Rachmaninow und „Fluch der Karibik“ hat mich an Ihr Album „Family“ erinnert, auf dem es auch Filmmusik zu hören gibt. Wie stehen Sie zum Crossover?

Die Frage ist für mich eher, wie wir Crossover definieren. Mozart musste früher Tage und Wochen reisen, um andere Kulturen und Musikstile zu hören, während uns dank Internet fast alles mit einem Klick zugänglich ist. Da ist es nur logisch, dass Menschen, die heute komponieren, von unterschiedlichsten Dingen inspiriert werden. Im Grunde ist fast alles, was heute entsteht, Crossover.

Ein Plädoyer gegen die Trennung in E- und U-Musik?

Das Spannende ist für mich immer, welche Emotion die Musik transportiert. „One World“ hat viel Lyrik und Nachdenkliches, aber gleichzeitig auch richtig Power. Den Titel finde ich in dieser Hinsicht sehr symbolisch, weil Musik ja die Sprache ist, die auf der ganzen Welt verstanden wird. Ich deute es deshalb so, dass wir alle miteinander verbunden sind und gemeinsam unsere Zukunft gestalten. Was das Publikum daraus macht, bleibt aber allen selbst überlassen.

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