Das Ensemble Kodo aus Japan begeistert

von Redaktion

Eigentlich ist das, was die drei Damen und elf Herren von Kodo in der fast restlos ausverkauften Münchner Isarphilharmonie treiben, gar nicht recht in Worte zu fassen. Den disziplinierten Furor, die unfassbare Präzision, die überwältigende Wucht zu beschreiben, erscheint aussichtslos. Man muss einfach hören – oder genauer: fühlen –, was dieses sagenumwobene Ensemble aus Japan da virtuos vollführt.

Wer die Japaner bereits in der Vergangenheit erlebt hat, stellt fest: Kodo hat sich ein wenig lockergemacht. Die neuen Stücke swingen regelrecht und unterscheiden sich deutlich von puristischen Klassikern, mit denen Kodo bekannt wurde. Mitunter klingt das wie eine verspielte Hommage an die brasilianischen Kollegen von Olodum. Geschickt wird das mit älteren Arbeiten kontrastiert, in denen die Truppe demonstriert, was sie so einzigartig macht: die schier unglaubliche Konzentration jedes Einzelnen in jedem Augenblick und das beängstigend makellose Zusammenspiel.

Wer sich auf Kodo einlässt, bekommt die volle Ladung

Gleichzeitig ist da eine explosive Spielfreude, eine spürbare Lust am Inferno, das sie zu entfesseln imstande sind. Sie trommeln sich gewissermaßen kontrolliert in einen Rausch und nehmen das Publikum mit auf die Reise ins Reich des Rhythmus. Wer sich auf Kodo einlässt, bekommt Kodo, die volle Ladung. Das ist beeindruckend, wenn es laut und athletisch wird – die riesigen Taiko-Trommeln über Minuten mit klobigen Schlagstöcken zu traktieren, ist schließlich Hochleistungssport. Aber wirklich grandios wird es, wenn sich Kodo zurücknehmen und leise werden. In „Monochrome“ etwa, dem letzten Stück vor der Pause, ahnt man anfangs eher die Töne, als dass man sie hört, und erlebt staunend, wie Kodo ohne technische Hilfsmittel eine Art Dolby-Surround-Sound erschaffen, einfach nur mit Stöcken und Trommeln. Phänomenal und am Ende zu Recht frenetisch bejubelt. ZORAN GOJIC

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