Die Kölner Saxofonistin Angelika Niescier wird international geschätzt und ist gut vernetzt. Nach mehreren hervorragenden Alben mit ihrem New York Trio hat sie sich dieses Mal in Chicago auf die Suche nach ähnlich abenteuerlustigen Kollegen gemacht. Der Schlagzeuger Mike Reed wurde Impulsgeber und Antreiber zweier dort zusammengestellter Quartette, die sich in den neun von Niescier geschriebenen Stücken des Albums abwechseln. Der erste Vierer wird von Flöte und Kontrabass komplettiert, der andere von Vibrafon sowie einem zweiten Saxofonisten. Gemeinsam ist beiden Formationen, dass sie sich mit Verve und Entdeckergeist über Niesciers herausfordernde Kompositionen hermachen. Die klingen manchmal vehement, wild, kaum im Zaum zu halten, dann auch wieder reflektiert, auf eine leicht sperrige Art lyrisch: Jazz für Fortgeschrittene, pendelnd zwischen grübelndem Suchen und euphorischem Finden. RUN
Angelika Niescier:
„Chicago Tapes” (Intakt).
★★★★☆ Hörenswert