„Er ist schwer zu beschreiben, aber es lohnt sich, ihn genauer zu betrachten.“ Schauspieler Philipp Hochmair bei seiner Lesung im Beck am Rathauseck. © Michael Tinnefeld/API
Zum Einstieg gibt es erst einmal ein Glas Champagner. Der ist in der kostenlosen Eintrittskarte selbstverständlich inbegriffen, wenn Philipp Hochmair unterm Dach bei Ludwig Beck seine Biografie vorstellt. Und tatsächlich konnte man sich für dieses Event kaum einen besseren Ort ausdenken. Eine kleine Bühne, versteckt zwischen Vinyl-Alben in der Indierock-Ecke der Musikabteilung. Aber ebenso in direkter Nachbarschaft zur „Personal Shopping Lounge“, wo tagsüber die besser betuchte Kundschaft ihr Rundum-sorglos-Paket mit Style-Beratung und Signature-Duft genießt.
Der Burg-Schauspieler und gefeierte Salzburger Jedermann kennt beide Welten und nimmt das Publikum mit auf eine sehr persönliche Reise durch die vergangenen 52 Jahre. Während sein musikalischer Wegbegleiter Hanns Clasen an DJ-Pult und E-Gitarre den passenden Soundtrack beisteuert. Denn natürlich ist das hier keine gewöhnliche Lesung. Genau wie das Buch „Hochmair, wo bist du?“ keine gewöhnliche Biografie ist – auch dank Autorin Katharina von der Leyen, deren Vorwort dieses postdramatische Happening eröffnet: „Hochmair ist als Schauspieler schwer zu bändigen und als Mensch oft nicht zu gebrauchen, aber er ist nie egal. Er ist schwer zu beschreiben, aber es lohnt sich, ihn genauer zu betrachten.“
Und dies tut Philipp Hochmair hier durchaus selbstironisch. Etwa dann, wenn er statt Jubelkritiken – von denen es wahrlich genug gäbe – Kommentare aus den Sozialen Netzwerken an die Wand projizieren lässt. „Der nächste lauwarme Volltrottel!“ ist da von einem Neider zu lesen. „Kann man nur froh sein den nicht in der verwandtschaft oder in de rNachbarschaft zu haben.“ Solche orthografieschwachen Schmähungen wechseln sich immer wieder ab mit Schnappschüssen aus dem Familienalbum: Hochmair als kleiner Bub mit Plüschtier, als Ministrant oder bei einer Privatvorstellung für Altbundeskanzler Helmut Schmidt (1918-2015).
Das sorgt für Authentizität, während er selbst in Bademantel und Goldlametta gehüllt eine skurril überhöhte Nacherzählung seines Theaterlebens improvisiert. Durchmischt mit Texten von Goethe oder Hofmannsthal, die er mit roher rhetorischer Brillanz wie ein Rockstar am Standmikro performt. Poetisch, psychedelisch und in hin und wieder einfach nur herzerfrischend plemplem. Wenn er das zuvor auf dem Flügel aufgebarte Porträt seines Lehrers Klaus Maria Brandauer wie eine Monstranz vor sich herträgt. Oder wenn er bei einem Laserschwert-Kampf in Unterhosen an Theater-Ikone Albin Skoda erinnert, den größten österreichischen Schauspieler vor Schwarzenegger! Kurz gesagt: ein typischer Hochmair-Abend, der auch mal unerwartete Abzweigungen nimmt. Aber alles, was übersprungen wurde, lässt sich ja später zum Glück noch zu Hause nachlesen.TOBIAS HELL