„Lebt, liebt und kämpft“

von Redaktion

Letztes Interview von Eric Dane

„Du stellst die richtigen Fragen“: Dane (li.) im Gespräch mit Brad Falchuk. © Netflix

Von der Krankheit gezeichnet: Schauspieler Eric Dane kurz vor seinem letzten Interview auf Netflix. © Netflix

Erst vergangene Woche starb US-Schauspieler Eric Dane an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (wir berichteten). Bereits im November, die schwindenden Kräfte und das Ende vor Augen, gab er ein letztes ausführliches Interview für die Netflix-Reihe „Famous last words“. Einzige Bedingung war die Ausstrahlung nach seinem Tod. Nun ist die knapp einstündige Doku beim Streamingdienst verfügbar. Im sehr persönlichen und berührenden Gespräch mit Moderator Brad Falchuk zieht der 53-jährige „Grey‘s Anatomy“-Star Bilanz und richtet die letzten Worte an seine Töchter Billie (15) und Georgia (14).

„Es ist ein verrücktes Gefühl: Wir beide sitzen hier sehr lebendig und reden, und gleichzeitig weiß ich, wenn das hier gezeigt wird, werde ich nicht mehr da sein.“ Dane, im Rollstuhl und mit heiserer Stimme, beweist im Angesicht des Todes Mut und Humor. Er nutzt diesen letzten Auftritt vor laufender Kamera für maximale Offenheit. „Es gibt ein paar Dinge, auf die ich stolz bin“, sagt er, „aber ich habe auch Tonnen von Fehlern gemacht.“ Mit Alkohol betäubte er lange das Trauma seiner Kindheit, den Selbstmord des Vaters. Depressionen versuchte er mit Drogen in die Knie zu zwingen. „Es bricht mir immer noch das Herz, wenn ich daran denke, wie einsam sich mein Vater gefühlt haben muss, als er entschied, sich zu erschießen.“

Seine Tochter Billie ist nach ihrem Opa benannt. „Wir haben damals gesagt, dass unser erstes Kind Billie heißen soll – egal ob Junge oder Mädchen. Und hey, Billie ist ein echt cooler Name.“ Eric Dane lacht. 20 Jahre war er mit Model und Schauspielerin Rebecca Gayheart verheiratet, der Liebe seines Lebens, auch wenn sie sich irgendwann entschieden, nicht mehr zusammenzuleben. „Sie ist immer noch meine beste Freundin, mein Herzensmensch. Sie ist die Mutter meiner wunderbaren Töchter.“

An sie richtet er seine „letzten Worte“. „Billie und Georgia, ich möchte euch vier Dinge mitgeben, die ich aus meiner Krankheit gelernt habe“, sagt er. „Erstens: Lebt im Jetzt. Ich habe viel Zeit mit Selbstzweifeln verschwendet, bereits gefällte Entscheidungen immer wieder überdacht. Aber in der Vergangenheit steckt Reue und die Zukunft ist ungewiss. Also genießt die Gegenwart. Zweitens: Verliebt euch in jemanden oder in etwas, das euch mit Leidenschaft erfüllt. Die Liebe zur Schauspielerei hat mich durch dunkelste Stunden, Tage und Jahre geführt. Drittens: Wählt eure Freunde weise und behandelt sie mit Liebe und Respekt. Und viertens: Kämpft bis zum letzten Atemzug! Nehmt die Herausforderungen des Lebens an, steht immer wieder auf und haltet den Kopf hoch. Ich liebe euch!“

Ob er an ein Leben nach dem Tod glaube, will Moderator Brad Falchuk wissen. Dane überlegt kurz. Er denke nicht, dass es einen Platz gebe, an den unsere Seelen wandern. „Wenn die Lichter ausgehen, ist es vorbei. Wir leben dann nur noch in den Erinnerungen der Menschen, die uns vermissen.“ Wenn Dane über seine eigenen Erinnerungen spricht, dann sind es die mit der Familie, an Urlaube in Frankreich, in denen sie übers Land gefahren seien und nur noch mit französischem Akzent gesprochen hätten. „Ich sehe meine Töchter, wie sie stundenlang im Meer toben – meine Wasser-Babys.“ Eric Dane lächelt. „Ich glaube, ich war ein guter Dad.“ASTRID KISTNER

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