Zum Abschluss ein Eklat

von Redaktion

Preisverleihung der Berlinale endet politisch – Minister verlässt den Saal

Sorgte für einen Eklat: Abdallah Alkhatib („Chronicles from the Siege“) mit Palästina-Fahne. © Christoph Soeder/dpa

Beste schauspielerische Leistung: Sandra Hüller gibt sich im Historiendrama „Rose“ als Mann aus. © Frederik Kern/Breuel

Er holte den Goldenen Bären: Regisseur İlker Çatak wurde für sein Politdrama „Gelbe Briefe“ ausgezeichnet. © dpa

Diese Momente liefern die Antwort darauf, wie politisch die Berlinale ist. Da steht İlker Çatak auf der Bühne und nimmt den Goldenen Bären für sein Politdrama „Gelbe Briefe“ entgegen. Da ist die Rede eines Regisseurs zum Gaza-Krieg, die dazu führt, dass Umweltminister Carsten Schneider den Saal verlässt. Und da ist eine Festival-Chefin, die versucht, mehr Zwischentöne in eine aufgeheizte Debatte zu bringen.

Die Berlinale endet mit einer Gratwanderung zwischen Meinungsfreiheit und politischer Polarisierung. Und mit Auszeichnungen für Filme, die Politik anders interpretieren als mit kurzen Statements. Das gilt insbesondere für den Preisträger „Gelbe Briefe“. Erstmals seit 22 Jahren und Fatih Akins „Gegen die Wand“ holt ein deutscher Regisseur wieder die Trophäe für den besten Film. Çatak erzählt von einem türkischen Paar, das wegen seiner politischen Meinung unter Druck gesetzt wird – und sich fragen muss, wie weit es für seine Überzeugungen gehen will.

Dass die Jury den Hauptpreis an das Politdrama vergibt, kann man als Zeichen verstehen. Selten wurde bei der Berlinale so heftig darum gerungen, wie politische Diskurse geführt werden sollen. Nicht nur während des Festivals, sondern auch bei der Abschlussgala. Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib gewinnt mit „Chronicles From the Siege“ den Preis für das beste Spielfilmdebüt und verbindet seine Dankesrede mit scharfer Kritik an der Haltung der Bundesregierung im Gaza-Krieg. Und: Er bringt eine palästinensische Flagge mit auf die Bühne. Der Regierung wirft er vor, sie sei faktisch Partner des „Völkermords“ im Gazastreifen. „Bundesminister Schneider hält diese Aussagen für nicht akzeptabel“, teilt ein Sprecher seines Ministeriums später mit. Der SPD-Politiker sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Gala gewesen, so der Sprecher. Während der Rede Alkhatibs habe Schneider den Saal verlassen. Die Abschlussgala sei wie das Festival selbst gewesen, sagt Berlinale-Chefin Tricia Tuttle. „Es ist ein Ort, an dem Künstler sprechen können, und manchmal sprechen sie auf eine Art und Weise, die unbequem oder umstritten ist, aber es ist wichtig, dass wir diesen Raum bieten.“

Sandra Hüller gewinnt ihren zweiten Silbernen Bären für „Rose“. Darin gibt sie sich im 17. Jahrhundert als Mann aus, weil sie nur so ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Das Drama „Queen at Sea“ des US-Amerikaners Lance Hammer wird mit zwei Preisen ausgezeichnet. Der Film erhält den Preis der Jury. Zudem gewinnen Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay Silberne Bären für die besten Nebenrollen.

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