Der ewige Eros

von Redaktion

Auf der Olympiahallen-Bühne braucht der Star Anlaufzeit

Falscher Elfer: Ramazotti zog für die Zugaben ein Champions-League-Trikot der Bayern über. © Jörg Heinrich

Bitte mitsingen: Eros Ramazzotti bekam das Publikum erst gegen Ende so richtig zu packen. © Martin Hangen

Wer sich mit 20 in die Herzen seiner Fans singt und mit 62 immer noch die Münchner Olympiahalle ausverkauft – der hat wahrlich eine „Storia importante“ zu erzählen, eine wichtige Geschichte. So heißt die aktuelle Best-of-Tour von Grande Eros, von Eros Ramazzotti, quasi vom Robbie Williams aus Cinecittà. Auch nach über vier Jahrzehnten liebt die Welt seine „Stupide parole romantiche“, seine (gar nicht so) dummen Worte über die Romantik und die Liebe – auch diesen neuen Song hatte er in München am Start. Da verziehen seine Fans Eros sogar, dass die Show recht glatt und routiniert daherkam, und dass der Maestro ein wenig unwirsch war.

Jedenfalls grantelte er zwischendurch übers Licht und über mangelhaftes Engagement der Fans beim Armewinken. Aber, wenn man als Eros-Tifoso mal zurückmeckern darf: Eine viel zu große Bühne mit zwei geschwungenen Laufstegen und eigener Plattform zum Singen für Eros fördert die Stimmung nicht unbedingt. Wie soll Magie entstehen, wenn Sänger und Gitarrist 15 Meter voneinander entfernt ihrem Job nachgehen? Und wenn wir schon dabei sind: Mit einigen neuen Versionen seiner Klassiker tat sich der Signore auch keinen Gefallen. So ist „Terra promessa“ eigentlich ein todsicherer Bringer – der mit Saxofon-Einsprengseln, mit Rap und Scat-Gesang von Eros verpuffte.

Schön war’s insgesamt natürlich trotzdem, mit Schwelgen in vier Jahrzehnten Ramazzotti-Erinnerungen. „Adesso tu“ oder „Se bastasse una canzone“ – hachseufz, und dann singt der Kerl auch noch, als wäre er nach wie vor der junge Römer, der mit 20 die Welt erobert.

Gegen Ende packte der ewige Eros die Olympiahalle dann so richtig, mit „Fuoco nel fuoco“, mit „Cose della vita“ und mit den Zugaben, zu denen er im Champions-League-Trikot des FC Bayern mit Nummer 11 und „Ramazzotti“ auf dem Rücken auflief (bei den Bayern aktuell Stürmer Nicolas Jackson). „Più bella cosa“, wer hier nicht mitgesungen hat, war nicht da.

So glücklich können die „Stupide parole romantiche“ machen – sicherlich auch beim Zusatzkonzert in der Münchner Olympiahalle am 16. April im kommenden Jahr. Altert ein Ramazzotti wie guter Rotwein? Grundsätzlich ja, aber ein paar Wermutstropfen waren dieses Mal rauszuschmecken.JÖRG HEINRICH

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