PREMIERE

Drei Stars mit einer Klappe

von Redaktion

Das Deutsche Theater sorgt mit der „Cher Show“ für Partystimmung

Weniger um Imitation geht es in diesem Jukebox-Musical, die Darstellerinnen finden für den Superstar ganz eigene Farben. © Nico Moser, Evan Agostini

Sind sie so gut wie das Original? Das ist die Frage, die sich bei den meisten Jukebox-Musicals stellt. Egal, ob man dabei auf die Songs von Queen, ABBA oder Tina Turner zurückgreift. Und ähnlich groß sind natürlich auch die High Heels, die es bei der „Cher Show“ zu füllen gilt, die aktuell im Deutschen Theater für Partystimmung sorgt. Dass es eine Ikone wie Cher so schnell kein zweites Mal gibt, war den Machern dieser Musical-Biografie bereits am Broadway bewusst. Wie dort wird die Titelrolle auch bei dieser Tournee-Produktion auf drei Damen aufgeteilt.

Als Erstes begegnen wir da Sophie Berner, die den bestrapsten Star auf dem Höhepunkt ihrer mittlerweile gut sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere verkörpert. Mit starker Bühnenpräsenz und markant rauchiger Stimme darf sie mit „If I could turn back Time“ gleich einen der Mega-Hits abfeuern, der den Ton des Abends vorgibt. Denn zum Glück wird das Leben von Cherilyn Sarkisian hier nicht pseudo-dokumentarisch oder mit Botox geschönt aufgearbeitet. Der Star selbst führt uns ironisch reflektierend durch ihr Leben und holt sich zur Unterstützung gleich noch zwei jüngere Alter Egos mit auf die Bühne, die jeweils unterschiedliche Charakterzüge verkörpern.

Die typischen Manierismen und die dunkel-kehligen Töne der Diva hat bei diesem Trio vor allem Pamina Lenn perfektioniert, die als „Cher Babe“ das sensible junge Mädchen spielt, das von der großen Karriere träumt. Doch ironischerweise kommt ihr Teil der Geschichte gerade deshalb am sterilsten über die Rampe. Lenn bleibt letztlich eine Kopie, wie man sie aus diversen Tribute-Shows kennt, während ihre beiden Mitstreiterinnen den emanzipierten Freigeist leben dürfen.

Selbstbewusstsein im Überfluss hat da vor allem Hannah Leser. Als „Cher Lady“ ist sie die toughe Kämpferin, die immer dann eingreifen muss, wenn ihr idealistisches naives Ich mal wieder Gefahr läuft, sich von diversen Vertretern des Patriarchats ausnutzen zu lassen. Leser schert sich wenig um Imitation und findet so ganz eigene Farben in den berühmten Songs. Was ihrer Interpretation eine überzeugend authentische Note verleiht. Denn am besten funktioniert die „Cher Show“ immer dann, wenn man sich traut, vom Original abzuweichen. Dank der gelungenen Arrangements hauen vor allem die Songs so richtig rein, in denen das Trio seine Stimmen vereinen und gegenseitig antreiben darf.

Die Männer haben bei diesem Frauen-Power-Abend naturgemäß nur wenig zu melden. So bleiben die von Simon Rusch verkörperten wechselnden Liebhaber kaum mehr als Episodenfiguren. Während Jan Rogler als Sonny Bono ein wiederkehrendes Übel in Chers Leben bleibt. Und ehrlich gesagt: Der kleine Schmierlappen hätte im schmutzigen Scheidungskrieg noch ein paar Tiefschläge mehr verdient. Aber am Ende des Tages geht es der „Cher Show“ hinter all dem Glamour-Look eben vor allem darum, positive Energien zu verbreiten. Mit der Botschaft, an sich selbst zu glauben und nie aufzugeben. Und das gelingt der von Christopher Tölle und Nigel Watson rasant choreografierten Produktion durchaus. Auch wenn dafür manchmal der Holzhammer ausgepackt wird. Aber bei Cher galt bekanntlich immer die Parole „Mehr ist mehr!“TOBIAS HELL

Vorstellungen

bis 8. März; deutsches-theater.de.

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