Tür zu

von Redaktion

Intendant Hinterhäuser muss bald die Salzburger Festspiele verlassen

Seit 2011 ist der Salzburger Markus Hinterhäuser mit einer Unterbrechung Intendant der dortigen Festspiele. © Neumayr

Die Sache nahm irgendwann die Dimension einer Papst-Wahl an. Um 13 Uhr traf sich am gestrigen Donnerstag das Kuratorium der Salzburger Festspiele zu einer Sondersitzung, um hinter verschlossenen Türen über den Intendanten zu richten. Um 18 Uhr stand schließlich fest: Markus Hinterhäuser wird das weltweit bedeutendste Kulturfestival nicht erst 2031 verlassen, wie eigentlich geplant war. Auch die Ausstiegsklausel, die für 2029 vereinbart war, wird wohl nicht greifen – der 67-Jährige muss die Festspiele offenkundig deutlich früher verlassen.

Vorwurf des Fehlverhaltens

Damit ist der Streit zwischen Hinterhäuser und den Entscheidungsträgern gestern Nachmittag sogar noch eskaliert. Wie aus der Sitzung zu erfahren war, habe es zur Besetzung der Schauspielleitung weiterhin offene Fragen gegeben, die Hinterhäuser nicht beantwortet habe. Wie berichtet, favorisiert Hinterhäuser für diesen Posten Karin Bergmann, Ex-Direktorin des Burgtheaters. Diese hat sich jedoch gar nicht offiziell beworben und sich in Salzburg nicht vorgestellt. Das Kuratorium, in dem unter anderem Vertreter des Landes und der Stadt Salzburg sitzen, nahm dies gewaltig übel, weil es sich nicht ausreichend informiert fühlte.

Bei alledem geht es auch um das Auftreten Hinterhäusers den Entscheidungsträgern gegenüber. Bei alledem ist nichts zitierfähig. Dennoch wird von teils heftigen Auseinandersetzungen und von befremdlichem Verhalten berichtet. Hinterhäusers aktueller Vertrag geht eigentlich bis zum 30. September dieses Jahres. Die Verlängerung wäre eigentlich unter Dach und Fach, doch es gibt einen weiteren Passus: Falls sich Hinterhäuser dem Kuratorium oder Dritten gegenüber nicht angemessen verhält, kann die Notbremse gezogen werden.

Auf Letzteres scheint nun alles zuzusteuern. Man habe Hinterhäuser ein „Angebot im Sinne der Festspiele“ gemacht, wie es heißt. Auch um für einen einigermaßen geordneten Übergang zu sorgen. Dieses habe er zur Kenntnis genommen und wolle es juristisch prüfen lassen. Auch wenn damit sein Ausstiegsdatum in Salzburg weiter offen ist, so deutet vieles darauf hin: Die Intendanz Hinterhäusers dürfte weit vor 2029 enden. Zentrale Fragen seien nicht gelöst worden, so das Kuratorium. Das Tischtuch ist damit zerschnitten. „Einige Fragen konnten geklärt werden, andere nicht“, sagte die Kuratoriumsvorsitzende, Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP). Bürgermeister Bernhard Auinger von der SPÖ räumt Kommunikationsfehler ein.

Für die Festspiele kommt dieser Streit zur Unzeit. Der Festivalbezirk steht vor großen Renovierungsmaßnahmen. Außerdem müssen die Programme für die kommenden Jahre festgeklopft werden. Eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für Hinterhäuser zeichnet sich derzeit nicht ab. Es wird aber kolportiert, dass sich Elisabeth Sobotka, derzeit Intendantin der Berliner Linden-Oper und früher Chefin der Bregenzer Festspiele, in Stellung bringt. Dass Regisseur Barrie Kosky, der ebenfalls gehandelt wird, sich Salzburg mit seinen Problemen antut, ist eher unrealistisch.

Der Streit kommt zur absoluten Unzeit

Zu allem Überfluss endet dieses Jahr auch noch die Amtszeit der Festspiel-Präsidentin Kristina Hammer. Eigentlich müsste der Posten jetzt ausgeschrieben werden. Der Prozess wurde aber bis zur Klärung der Causa Hinterhäuser auf Eis gelegt. Der habe, so wird erzählt, in der gestrigen Sitzung von „Vertrauensbruch“ gesprochen. Auch dies legt nahe, dass eine Annäherung zwischen ihm und dem Kuratorium nicht mehr möglich ist.

Hinterhäuser gehört gewissermaßen zum Inventar der Festspiele. 1993 hob er gemeinsam mit Tomas Zierhofer-Kin in Salzburg die Veranstaltungsreihe „Zeitfluss“ aus der Taufe. Von 2007 bis 2011 verantwortete er das dortige Konzertprogramm, als Interims-Intendant fungierte er in der Saison 2011. Nach einem Intermezzo bei den Wiener Festwochen bestieg Hinterhäuser schließlich im Oktober 2016 endgültig den Salzburger Intendantenthron.MARKUS THIEL

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